Das Plüschmonster des Jahres, es ist die neue Alternative zum grünen Hulk: ein roter Panda! Dank Pixar und Disney erobert dieses putzige Oversized-Wollknäuel jetzt den Online-Streamingdienst Disney+, wo der Film ab sofort ohne zusätzlichen Aufpreis zu sehen ist. Das verwundert die Brancheninsider einigermaßen, verzichtet Disney doch erstmals auf einen Kinostart; trotz Pandemie hatte sogar "Encanto" ein Kinofenster von rund einem Monat, ehe der Film auf Disney+ zum Online-Hit in den Kinderzimmern wurde.

Bei "Rot" ist alles anders: Die Pixar-Produktion setzt die Tradition des Studios in Bezug auf launige Familienfilme fort, schafft es aber weltweit nicht mehr auf die Leinwand. Pixar-Eigner Disney begründet das mit den Nachwehen der Pandemie, weil sich die Kinostarts nun stapeln würden. Insider wissen aber: "Rot" startet auch deshalb exklusiv auf Disney+, weil der Dienst nicht nur seine alten Abonnenten behalten, sondern auch neue gewinnen muss, um profitabel zu sein. Für das Kino bedeutet das jedenfalls eine Abwertung innerhalb der Verwertungskette von Filmen.

Machart und Story wären jedenfalls kinotauglich: Die 13-jährige Mei Lee ist auf den ersten Blick eine ganz normale Teenagerin mit den üblichen Problemen für ihr Alter. Erste Liebe, das Ansehen in der Schule, Boyband-Anhimmelung - Mei Lee kennt all das und ist doch anders: Wenn sie sich nämlich emotional in irgendeiner Weise aufregt (was bei Teenies vorkommen soll), ploppt aus ihr ein rotes Fell hervor und sie wird zu einem Panda! "Lass ihn raus, den Panda, zeig’ ihnen, dass du es kannst!" - man erinnert sich unweigerlich an den einstigen Werbespot für die "Kellogg‘s Frosties". Also, wenn man alt genug ist.

Es geht darum, sich und seinen Körper zu akzeptieren

Das mit dem Fell muss Mei Lee erst einmal verdauen, und damit umzugehen, ist mega-mühsam! Aber weil Pixar und Disney in ihren Filmen Werte vermitteln wollen, hat auch "Rot" jede Menge davon zu bieten: Es geht darum, sich selbst und den eigenen Körper zu akzeptieren, sich einzufinden als Individuum in der Gesellschaft, mehr Mut zu entwickeln und auch mehr Unabhängigkeit. Mei Lee ist am Scheitelpunkt ihrer Entwicklung: Sie wird sich fortan von Mamas kleinem Mädchen zu einer selbstbestimmten jungen Frau wandeln. Und bitte, warum denn nicht in einem roten Pelz?

Ganz abgesehen davon, dass die Pixar-Animationskünstler wie gewohnt ganze Arbeit geleistet haben (die Animation ist detailverliebt und in jeder Hinsicht auf der Höhe der Zeit), offeriert die herzige Story in diesem Film vor allem Mädchen eine Perspektive aufs Erwachsenwerden. "Rot" gibt ihnen eine Stimme, die lange Zeit selbst im Animationsfilm männlich oder tierorientiert war. Aber freche Mädels, die sich in Selbstbestimmung üben, dafür war es höchst an der Zeit! Fremdschämen versus Selbstvertrauen, hip versus peinlich, cool versus out, ungestüm versus brav - "Rot" spielt auf den Orgeln der wechselhaften Pubertät immer wieder ganz virtuos.