Der Filmschauspieler und Oscar-Preisträger William Hurt ist am Sonntag in Portland im US-Bundesstaat Oregon knapp vor seinem 72. Geburtstag gestorben.

William Hurt: der Psychologe unter den Schauspielern, mehr als 100 Produktionen für Kino und Fernsehen, ein Leinwand-Star, der dennoch die Theater-Karriere seiner Anfänge weiterführt, der ehemalige Theologie-Student, der als Sexsymbol gilt, der den Oscar für die Darstellung des homosexuellen Häftlings Luis Molina in "Der Kuss der Spinnenfrau" bekommt, der versucht, sein Privatleben abzuschirmen (alles andere wäre "Diebstahl der Seele", sagt er) und doch mit Vorwürfen konfrontiert wird: Die gehörlose Schauspielerin Marlee Matlin, mit der er eine zwei Jahre dauernde Beziehung hatte, wirft ihm Gewalt vor.

Doch womit William Hurt sich ins Gedächtnis einschreibt, ist die Art der Rollengestaltung. Prinzipiell hält der am 20. März 1950 in Washington, D.C. geborene Sohn eines Beamten die Hollywood-Filme für oberflächlich. So ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass er am Theater debütiert und im Film 1980 als Darsteller der Hauptrolle in "Altered States" ("Der Höllentrip"), einer Art Horrorfilm des querständigen Briten Ken Russel den Durchbruch hat.

Spielt er dort einen Mann, der in einem Experiment animalische Urinstinkte entwickelt, wird er in "Gottes verlassene Kinder" als Lehrer, der sich in eine gehörlose Hausmeisterin verliebt, zum Prototyp des modernen romantischen Liebhabers, wofür er eine Oscar-Nominierung bekommt. Weitere gibt es für "Nachrichtenfieber" und "History of Violence".

Hurt war auch bekannt für Rollen, die er ablehnte, etwa in "Jurassic Park". Lieber übernahm er Nebenrollen, die er mit seiner Ausstrahlung aufwertete. Doch 2008 spielte er in "Der unglaubliche Hulk" und danach auch in anderen Marvel-Filmen.

Als bei Hurt 2018 unheilbarer Prostatakrebs diagnostiziert wird, verweigert er die Chemotherapie und lässt sich auf eine experimentelle Behandlungsmethode ein, mit der er vier Jahre überlebt, in denen er weiter arbeitet. Sein letzter Film "The King’s Daughter", ist gerade erst im Kino angelaufen.(eb)