Für Josef Aichholzer ist "Rotzbub" viel mehr als nur ein möglicherweise einträglicher österreichischer Animationsfilm. Denn dem 1950 in Villach geborene Filmproduzenten, der unter anderem dem Oscar-Film "Die Fälscher" (2007) zur Geburt verhalf und auch mit Künstlern wie Ruth Beckermann Michael Sturminger oder Wolfgang Murnberger zusammengearbeitet hat, ist die Deix-Hommage ein sehr persönliches Anliegen, wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" beim Filmfestival in Zürich erzählt: "Ich habe einen Lieblingsmenschen, der mir sehr gut in Erinnerung ist - und das ist der Manfred. Ich bin oft mit ihm im Wirtshaus gesessen und bin immer dahingeschmolzen, wie er sich in G’schichterln hinein fantasieren konnte und sich wie ein kleines Kind über eine Kleinigkeit köstlich amüsieren konnte", so Aichholzer.

Die Seele von Manfred Deix steckt in diesem Film

Seit bald zehn Jahren arbeitet Aichholzer an der Idee, aus den Deix-Karikaturen einen Film zu machen, und vor dem Tod von Deix im Jahr 2016 konnte dieser sogar noch das Drehbuch begutachten und sein OK dazu geben. "Die Seele von Manfred Deix, die Figuren von Manfred Deix sind für diesen Film sehr wichtig. Ein Österreicher weiß sofort, was damit gemeint ist. Manfred hatte die Gabe, etwas Urösterreichisches in seinen Figuren zu manifestieren und wiedererkennbar zu machen. Es ist eine Mischung aus dem Liebenswürdigen, das in den Österreichern liegt, mit den ganzen Verunstaltungen und Kleinheiten und der Bösartigkeit, die im österreichischen oder im Wiener Charakter liegen. Die Bösartigkeit, dass man dem anderen lieber etwas zuleide als ihm etwas Gutes tut. Und diese Mischung in uns allen, denn wir sind weder Teufel noch Götter, die hat der Manfred in einer Form aus der österreichischen Seele gezogen, die mit den Worten von Billy Wilder beschrieben wurde: ‚Es gibt keinen größeren Psychoanalytiker der österreichischen Seele als den Manfred Deix.‘ Das ist das Fleisch dieser Geschichte."

"Rotzbub"-Produzent Josef Aichholzer. 
- © apa/hans punz

"Rotzbub"-Produzent Josef Aichholzer.

- © apa/hans punz

Dass der Film auch und vor allem an den Nachwehen des Zweiten Weltkriegs in Österreich forscht, liegt für Aichholzer in der Natur der Sache: "Die Themen aus dem Leben in der Zeit, in der Manfred Deix aufgewachsen ist, sind im Film omnipräsent. Die Zeit, nachdem der Zweite Weltkrieg vorbei war, nachdem der Wiederaufbau begann und nachdem über Österreich eine Art
Verschwiegenheitsglocke hing, schwingt hier mit", so Aichholzer. "Man hat über die Vergangenheit nicht gesprochen. Man hat nicht darüber gesprochen, wie es dazu kommen konnte, dass wir in dieses dunkle Loch hineingetappt sind, die Juden zu verfolgen, wegzuschauen." Das seien die Themen, die Deix stets kommentiert habe. "Er hat das getan, indem er im Alltag den Leuten beim Wegschauen zugeschaut hat", sagt Aichholzer. Und Deix tat dies mit den Augen eines Kindes: "Er war ein großer Entertainer und zeitlebens ein Kind", sagt Aichholzer. "Dieses Kind in ihm hat etwas mit Kinderaugen gesehen, es dann ausgesprochen und hingezeichnet." Ein Künstler, der ein filmisches Denkmal verdient hat.