Die Friedhöfe Hollywoods sind voll mit gescheiterten Umsetzungen von Computerspielen. Egal, ob als Serie oder Film, aus einem Spiel ein dramaturgisches Highlight auf die Leinwände und Bildschirme zu zaubern, war bislang nie von Erfolg gekrönt. Bekannte Computerspielhelden durften sich in visuellen Ergüssen zeigen, es gelang aber nicht einmal annähernd, ein Spiel adäquat umzusetzen.

Nun also schickt sich der Klassiker "Halo" an, diesem Pfad zu folgen, auch wenn noch die große Hoffnung besteht, allen Kritikern das Gegenteil zu beweisen. Auf der Spielekonsole Xbox aus dem Hause Microsoft gehört "Halo", entwickelt vom Unternehmen Bungie, zu den exklusiven und wesentlichen Titeln. Seit es die Konsole gibt, sorgt der Masterchief mit seinem Team für Unterhaltung und setzt dabei visuell, aber auch musikalisch für Höhepunkte.

Die Handlung selbst ist schnell erklärt: Im 26. Jahrhundert kämpft das United Nations Space Command (UNSC) der Erde gegen die Bewohner der Kolonien auf allen möglichen entfernten Planeten. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der Rohstoff Deuterium. Doch ein äußerer Feind lauert bereits und startet in Form der Alienrasse Covenant, die Invasion. Zur Verteidigung der Menschheit und als Waffe gegen die Rebellen wurden die sogenannten "Spartaner" erschaffen: Menschen in Superrüstungen, die gehirngewaschen und blind den Befehlen ihrer Kommandanten gehorchen. Einer davon ist der bereits erwähnte Masterchief, der, nach dem Berühren eines Artefakts, auf einmal wieder Erinnerungen an sein früheres Leben und somit auch Moral und Menschlichkeit entdeckt.

Die Erwartungen brechen

Die Drehbuchautoren der Serie haben beschlossen, und noch weiß niemand warum, gleich mit mehreren Regeln des Computerspiels zu brechen. Während im Spiel die Spartaner und ihre Geschichte im Mittelpunkt stehen, bedarf es in der Serie naturgemäß mehrere Charaktere und noch größerer moralischer Dilemmata. Und wenn man sich schon von dem Spiel entfernt, um die Geschichte in einem erweiterten "Halo"-Universum zu erzählen, dann am besten gleich mit dem Brechen von Regeln und Erwartungen. So setzt der Masterchief schon im ersten Teil seinen Helm ab - ein Ereignis, auf das man in der Videospielwelt seit 2001 wartet. Was man im Spiel also nicht kennt, erfährt man in der Serienumsetzung relativ schnell: Wie sieht der Masterchief unter seinem Helm aus? Im aktuellen Fall logischerweise wie sein Schauspieler, Pablo Schreiber.

Und so wie der Masterchief, der auch John-117 heißt, seinen Helm absetzt, so entledigt sich die Serie nach und nach der Vorlage und entwickelt ein Eigenleben. Wenig überraschend, trotzdem schade für die Fans. Diese sind zwar die allererste Zielgruppe, aber dennoch muss es eben doch immer nach Plan ablaufen, wenn es um Actiongeladenes à la Hollywood geht. Viel optische Reize und Pathos eben - aber immerhin auch viele Fragen, die Serie muss ja weitergehen. Immerhin gibt es ein paar nette Elemente für die Gaming-Community: Die bekannte Geräuschkulisse aus dem Spiel, etwa das Summen der Wiederaufladung oder die Treffer auf dem Schild, wird brav übernommen.

Der falsche Soundtrack

Umso überraschender, dass der ikonische Soundtrack viel zu selten zur Anwendung kommt, wo er doch in der Spieler Ohr ein fixer Bestandteil ist. Generell finden sich in Filmen und Serien mit Spielehintergrund viel zu selten jene Melodien, auf die die Ohren der Spieler trainiert sind.

Natürlich gibt es auch einige Sequenzen in der Serie, die in der Ego-Perspektive ablaufen, wie man es auf der Konsole spielt. Noch ist nicht abzuschätzen, ob es die Serienumsetzung von "Halo" schaffen wird, noch ein gelungenes Produkt zu werden, oder doch auch am Friedhof der gescheiterten Versuche landet. In Österreich ist die Serie seit Donnerstag auf Sky zu sehen, jede Woche kommt eine neue, rund 60-minütige neue Folge. In der ersten Staffel derer neun und eine zweite Staffel soll 2024 erscheinen.