Es gab unter den Film- und Kulturjournalisten Österreichs kaum eine schillerndere Figur als Ludwig Heinrich. Für seine Kollegen war er immer "der Luigi", der stets eine Anekdote aus seinem reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Prominenten parat hielt. Nicht selten begannen seine Erzählungen mit Sätzen wie "Als ich 1975 mit Jack Nicholson zum Essen verabredet war . . ." Luigi Heinrich kannte einfach Gott und die Welt und hat von Clint Eastwood bis Sean Connery, von Meryl Streep bis Angelina Jolie, von Steven Spielberg bis George Lucas alles interviewt, was Rang und Namen in der internationalen Filmwelt hatte. Sein wienerisch geprägtes Englisch war dabei für so manchen Gesprächspartner von großem Charme. Auch in der Welt der klassischen Musik bewegte sich Luigi Heinrich auf höchster Ebene: Rolando Villazón, Jonas Kaufmann oder seinen alten Bekannten Plácido Domingo traf er regelmäßig zu Interviews. Die deutschsprachige Film- und Fernsehwelt kannte er umfassend, hatte erst im Februar noch einen Nachruf auf Produzent Karl Spiehs verfasst.

Luigi Heinrich, 1941 bis 2022. 
- © Kleine Zeitung GmbH & Co KG

Luigi Heinrich, 1941 bis 2022.

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Seine Geschichten erschienen hauptsächlich in der "Kleinen Zeitung", aber auch in anderen heimischen Tageszeitungen. Heinrich war bekannt dafür, bei seinen Interviews kein Aufnahmegerät mitlaufen zu lassen, sondern auf Papier mitzuschreiben; erfolgreich wehrte er sich gegen den von den Presseagenturen in Deutschland eingeführten Freigabe-Wahn von Interview-Zitaten, darauf hinweisend, dass er sehr wohl wisse, wie er seinen Job zu erledigen hatte und dafür keinen Sanktus der Marketingabteilungen brauche.

Dass man Luigi Heinrich, der 2020 sein 60-Jahr-Berufsjubiläum gefeiert hatte, in ganz Europa kannte, lag daran, dass er ständig unterwegs zu Interviews war. Fast in jeder Stadt hatte Heinrich Bekannte. Eine Anekdote, bei der der Autor Zeuge war, ist inzwischen legendär: Im Jahr 2001 nach der Landung in Berlin Tegel (man war unterwegs zu Interviews mit Heath Ledger) bot "der Luigi" an, auf seine Kosten ein Taxi zum Hotel zu teilen. Als er kurz in der Warteschlange stand und endlich drankam, öffnete er die Tür eines x-beliebigen Taxis, und der Fahrer sagte: "Guten Tag, Herr Heinrich! Schön, dass Sie wieder in Berlin sind!"

Der Mann, den sogar die Taxler kannten, er ist am Dienstag nach schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben.