"Eingeschlossene Gesellschaft": Es ist Freitag Nachmittag, als es im Lehrerzimmer des Rudi-Dutschke-Gymnasiums an der Tür klopft. "Wenn ich etwas nicht ertrage, dann sind es Schüler um halb drei", mäkelt die verbiesterte Lehrerin Heidi Lohmann (Anke Engelke). Doch es kommt kein Schüler. Es kommt schlimmer. Draußen steht ein Vater (Thorsten Merten), der die versammelten Lehrkörper davon überzeugen will, seinen Sohn zum Abitur antreten zu lassen.

Ein einziger Leistungspunkt fehlt dem jungen Mann. Der verzweifelte Vater zückt die Waffe, um die Lehrer zur Debatte zu zwingen, ob sie ihm den Punkt nicht doch gewähren wollen. Die LehrerInnen haben eine Stunde für ihre Entscheidung Zeit.

Der neue Film von Regie-Ass Sönke Wortmann ("Das Wunder von Bern") ist eine unterhaltsame und smarte Dramödie über Moral, Scheinmoral und Doppelmoral, deren Protagonisten nicht nur in einem Raum eingeschlossen sind, sondern auch in ihren Vorurteilen und Obsessionen. Überall lauern Dämonen. Mal geht es um Habgier und tiefe Kränkungen, mal um Sex und Lust, mal um in Stein gemeißelte Spießigkeit. Wortmann und das Lehrer-Ensemble schaffen es, dass das Dialogdrama (Buch: Jan Weiler), das nur selten die Gelegenheit zum bildhaften Erzählen bietet, unter Hochspannung abläuft. Die Erzkomödiantin Anke Engelke als verzopften Schülerschreck zu erleben, ist allein den Filmbesuch wert. Aber auch Justus von Dohnányi (erstarrter Lehrkörper), Florian David Fitz (flunkernder Charmebolzen), Torben Kessler (Chemiker und Feigling), Thomas Loibl (klassischer Opportunist) und Nilam Farooq (sinnliche Nachwuchskraft) geben ihren Figuren viel Farbe und Substanz.