François Ozon ist ein Arbeitswütiger. Kurz nach seinem Film "Sommer 85" kam im Vorjahr "Alles ist gut gegangen" beim Festival von Cannes heraus, im vergangenen Februar präsentierte er bei der Berlinale schon seinen nächsten Film "Peter von Kant". "Ich bin eben Filmemacher, das ist es, was ich tue", antwortet Ozon stets, wenn man ihn auf seine hohe Produktivität anspricht. "Ein Journalist schreibt ja auch nicht bloß alle paar Jahre einen Artikel."

Der Vergleich hinkt zwar, denn Film ist unendlich komplexer als das Schreiben, obzwar Ozon hier seinen Standpunkt schon deutlich macht: "Ich gehe mit Leidenschaft in diesem Beruf auf."

Es sind die Innenwelten seiner Figuren, die ihn faszinieren, wie in dem Sterbehilfedrama "Alles ist gutgegangen", das nun in den Kinos anläuft und in dem ein alter Mann seine Tochter darum bittet, in Würde sterben zu können, unter Einbeziehung von Sterbehilfe: "Zwei Dinge faszinierten mich an dem Stoff: Erstens das Paradoxon, dass der Vater das Leben liebt, aber auch sterben will. Und zweitens das Dilemma der Töchter, die ihren Vater bedingungslos unterstützen, ihn aber nicht sterben lassen wollen. Diese komplexen Gefühle und Grautöne sprechen mich an."

Regisseur Ozon. - © K. Sartena
Regisseur Ozon. - © K. Sartena

Der Film basiert auf dem autobiografischen Roman von Ozons guter Freundin Emmanuèle Bernheim. "Ich wüsste nicht, was ich anstelle dieser Töchter tun würde. Ich bin wahrscheinlich nicht stark genug, um das Gesetz zu brechen und für jemanden, den ich liebe, einen illegalen Weg einzuschlagen. Es ist eine komplizierte Situation ohne Gewinner", sagt Ozon. Mit Bernheim hatte Ozon bereits einige Drehbücher geschrieben, etwa jene zu "Tropfen auf heiße Steine" oder "5x2".

"Zu persönlich"

Bernheim wollte auch, dass Ozon ihr Buch verfilmt, "aber als es erschien, war es mir zu persönlich". Erst, nachdem Bernheim 2017 verstorben war, befasste sich Ozon wieder damit. "Es war für mich eine Art, Emmanuèle wiederzufinden. Und ich bin heute reifer als damals, habe selbst einige Todesfälle und Trauer erlebt."

Das entscheidende für die Adaption des Buches lag in der Art, wie die Hauptfigur mit dem Sterben umgeht, sagt Ozon. "Er sieht dem Tod direkt in die Augen, während das Problem der westlichen Welt darin besteht, dass wir Angst vor dem Tod haben und ihn beiseiteschieben, so oft und so lange wir nur können. André hingegen nimmt das Schicksal an und sagt offen, was er will."

Zur Sterbehilfe hat Ozon keine eindeutige Meinung, denn: "Es gibt viele Graustufen, nicht nur schwarz und weiß. Generell denke ich aber, dass jeder das Recht haben sollte, über den eigenen Tod zu entscheiden."

Längst arbeitet der rastlose 53-jährige Filmemacher nach 23 Spielfilmen bereits an seinem nächsten Werk. "Vielleicht bin ich ein schlechter Vater, weil ich meine Kinder immer gleich nach der Geburt verlasse und neue zeuge", sagt Ozon. "Aber das ist mein Rhythmus, ich kann gar nicht anders, als Filme zu drehen."