Wien. "Es ist nun schon unser drittes Festival seit dem Corona-Ausbruch. Wir hatten Glück und konnten auch in den letzten beiden Jahren Filme live im Kino zeigen", freut sich Frederic-Gerard Kaczek, der Leiter des Jüdischen Filmfestivals in Wien, das heuer von 24. April bis 8. Mai in den Kinos Gartenbau, Metro und Village stattfinden wird. Es ist fast wie vor der Pandemie, "nur auf die Buffets haben wir aus Sicherheitsgründen verzichtet", so Kaczek.

Der engagierte Festivalleiter, der im Hauptberuf Kameramann ist, hat diesmal unter dem Motto "We are Family" etliche Filme zusammengetragen: Die insgesamt 35 Lang- und 10 Kurzfilme sollen einen umfassenden Überblick über aktuelles und älteres jüdisches Filmschaffen geben. "Aber wir sind natürlich nicht blind für das, was auf der Welt aktuell passiert", sagt Kaczek. Weshalb das Festival eine eigene Programm-Reihe mit dem Titel "Kinder auf der Flucht" geschaffen hat. Und auch sonst sind im Programm einige Werke mit Ukraine-Bezug zu finden.

"Unser Motto ‚We Are Family‘ ist universell zu verstehen, aber natürlich geht es um den großen Stellenwert der Familie in der jüdischen Kultur", so Kaczek. " Corona hat Familien, wie auch immer sich diese verstehen und strukturiert sind, enger zusammen- oder auch stärker auseinandergebracht. Diese Dynamik hat all das beeinflusst, was zu familiären und anderen Beziehungen dazugehört: Liebe, Lust und Leidenschaft - beziehungsweise die Sehnsucht danach -, Kinder und Kalamitäten, Streit und Versöhnung".

Liebe und Mischpoche

Unter dem Slogan "Liebe und Mischpoche" werden Filme wie "Couchgeflüster" von Ben Younger, "Schönes Schlamassel" von Wolfgang Murnberger, "Sublet" von Eytan Fox, "Fill the Void" von Rama Burshtein oder "Ein nasser Hund" von Damir Lukacevic gezeigt. Letzterer wird das Festival am Sonntag eröffnen, umrahmt von einer Festrede von Arye Sharuz Shalicar, dessen autobiografischer Roman "Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude" dem Eröffnungsfilm als Vorlage diente.

Ein Grundpfeiler des jüdischen Kinos war und ist immer schon der Humor. "Genau das benötigen wir unserer Meinung nach im Moment auch - etwas Leichtigkeit, Entspannung und Ablenkung - neben dem Bewusstsein und der Aufmerksamkeit für all das, was rundum passiert. Wir haben also ganz tief in unseren Archiven gegraben und neben neueren Filmen auch einige ältere Meisterwerke programmiert", so Frederic-Gerard Kaczek. Darunter "Fiddler on the Roof" (1971), "Everything is Illuminated" (2005) oder "Der Medicus" (2013).

Tribute an Barbra Streisand

Ein Sonderprogramm widmet sich dem filmischen Werk von Weltstar Barbra Streisand, die am Eröffnungstag ihren 80. Geburtstag feiern wird. Aus diesem Anlass kommen unter anderem ihre großen Klassiker "A Star is Born" (1976) und "Hello Dolly" (1969) oder ihre Regiearbeiten "Yentl" (1983) und "Liebe hat zwei Gesichter" (1996) zur Aufführung.