Das Meer ist für uns alle gleich: Mit seiner Tiefe und Weite, seinen Wogen und dem Auf und Ab der Gezeiten. Ihm wohnt etwas Poetisches inne, zumindest haben Menschen sich seit jeher sehnsüchtig am Meer abgearbeitet. Das tut nun auch der Film "Stories from the Sea" von Jola Wieczorek. Die aus Polen stammende Regisseurin stellt das Mittelmeer ins Zentrum ihres beeindruckenden Films, der bei der Diagonale seine Österreich-Premiere erlebte. Das Mittelmeer ist längst ein Ort von vielgestaltiger Bedeutung, spätestens, seit Flüchtlinge hier in kleinen Booten das Übersetzen nach Europa versuchen, ist es auch ein Ort der Tragödien und des Todes. Wieczorek nutzt diesen Umstand für ein dokumentarisches Porträt der See: In ästhetischen Bildern begleitet sie ein Frachtschiff, ein Kreuzfahrtschiff und zwei kleine Segelboote - und erzählt dabei die unterschiedlichsten Geschichten der sie steuernden Menschen.

Einsam und sehnsüchtig

Etwa jene von Jessica Willers, Auszubildende und einzige Frau auf dem Frachtschiff Joanna Borchard, die zwischen der Arbeit an Bord und dem daheimgebliebenen Freund emotional hin- und hergerissen scheint. Die Witwe Amparo Guillot Fernandez hat indes ganz andere Emotionen, wenn sie auf dem Kreuzfahrtschiff Costa Diadema durchs Mittelmeer fährt. Die Kabine, die sie bewohnt, ist dekoriert mit dem Bild ihres verstorbenen Mannes. Und dann gibt es noch die Segelschiffe, die für zehn Tage ein soziales Integrationsprojekt verfolgen. Kino, das ganz neue Horizonte auf das Meer und die Welt eröffnet.