Die Szene: Ein Almauftrieb in der schroffen, doch atemraubenden Natur des Kärntner Mölltals. Wie schön, ist man geneigt, angesichts der ruhigen und ästhetischen Bilder im Dokumentarfilm "Alpenland" zu denken. Da fängt die Kamera aus der Ferne eine Tiertragödie ein. Eine Kuh hat auf dem schmalen Bergpfad einen falschen Tritt getan und stürzt Hunderte Meter tief in den Tod.

Eine Sequenz mit Symbolkraft. Der Kärntner Filmemacher Robert Schabus ("Bauer unser") erzählt in "Alpenland" von der großen Magie, aber auch von den großen Gefahren des rauen Lebens in den Bergen. Die Postkarten-Idyllen der alpinen Gipfel und Schluchten dienen als Rahmen für die Dramen der menschlichen und tierischen Natur, die sich in ihrem Schatten abspielen. Die Alpen als paradiesische Komfortzone? Das mag vielleicht Touristen so vorkommen. Die Einheimischen wissen es besser: "Wenn du vor die Tür gehst, siehst überall Arbeit", sagt ein Bergbauer mit wettergegerbtem Gesicht.

Robert Schabus hat für seinen eindrucksvollen Film die Alpenländer von Österreich bis Frankreich, von Italien bis Deutschland bereist. Er übt keine offene Kritik, sondern zeigt Entwicklungen auf, positive wie negative, und überlässt es den Zuschauern, das Gesehene zu bewerten.

Gebirgige Heimat

In "Alpenland" geht es um Tourismus und Handwerk, um Landwirtschaft und Industrie. Und ganz besonders geht es um die Menschen, die ihre gebirgige Heimat trotz aller Probleme nicht missen wollen. "Wenn man große Träume hat, muss man sie woanders verfolgen", sagt da ein Scherenfabrikant aus Premana in der Lombardei. Das Dasein in seiner Werkstatt scheint ihm Traum genug. Woanders leben möchte er nicht.