Aller guten Dinge sind drei, sagt man im Leben oft. Also hat sich im Filmgeschäft analog dazu in der Sequel-Kultur oftmals die Trilogie als sinnvolle Teilung eines großen Erzählbogens etabliert, das funktioniert mal gut, mal weniger gut. Bei "Jurassic Park", Teil eins bis drei, war das in den 1990er Jahren noch deshalb sehenswert, weil man damals einfach die realistische Animation der Urzeit-Echsen gar nicht so recht glauben wollte und auch deshalb in die Filme lief. Wobei Spielbergs erster Film von 1993 schon auch erzählerisch jeden Trick anwandte, um sein Publikum zu begeistern.

Dieser erste Film aus der "Jurassic"-Welt mag auch der Grund sein, wie die nunmehr zweite Trilogie zu ihrem Ende findet: 2015 mit "Jurassic World" in ein neues, digital deutlich verbessertes und auch charmant erzähltes Reboot gegangen, ist halt aus der Franchise irgendwann die Luft raus, was sich schon im zweiten Teil 2018 zeigte.

Noch einmal alles aufbieten

Jetzt aber lautete die Devise: Noch einmal alles an Geschützen auffahren, was man zu bieten hat, und das ist: Neben der Animationskunst (die übrigens in manchen Szenen, gerade bei den Raptoren, schlechter wirkt als 1993) und den üppigen Actionszenen vor allem die Besetzung. Das Team vom Reboot, Chris Pratt und Bryce Dallas Howard, trifft endlich auch auf die Ur-Crew, bestehend aus Laura Dern, Sam Neill und Jeff Goldblum. Welche Vertragssummen für diesen Besetzungscoup geflossen sind, mag man sich lieber gar nicht erst vorstellen.

Aber auch sonst ist "Jurassic World - Ein neues Zeitalter" ein teurer Spaß: 146 Minuten lang kredenzt Regisseur Colin Trevorrow eine durchaus atemberaubende Materialschlacht, die in ihrem Aufbau und vielen Szenen irgendwo zwischen dem letzten James-Bond-Abenteuer "No Time to Die" (in einer Motorrad-Verfolgungsjagd mit Raptoren in den engen Gassen von Malta) und George Lucas‘ "Star Wars"-Trilogie der Episoden I bis III oszilliert, in der die bunten Weltraum-Kreaturen in allerlei Spelunken abhangen und irgendwie zum Alltag der Sternenkrieger gehörten.

Das tun die Dinos nämlich hier auch: Denn Trevorrow erzählt im Finale seiner "Jurassic World" davon, wie sich die Dinos seit dem letzten Film breit über den Erdball verteilt haben und die Menschen nun Seite an Seite mit ihnen leben müssen, was nicht friktionsfrei gelingt. Einen kleinen Dino streicheln im Park? Das geht, wenn das Muttertier gerade nicht in der Nähe ist. Irgendwie können sich die beiden Spezies doch nicht wirklich miteinander anfreunden, wen wundert‘s?

Der Film erzählt natürlich auch von guten und von bösen Menschen, einer davon leitet Steve-Jobs-mäßig einen Konzern, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Dino-DNA die Krankheiten der Menschheit zu heilen, Krebs, Alzheimer, Herz.

Penetrante Rückbesinnung

Dahinter stecken freilich andere Absichten, denn man züchtet Riesen-Heuschrecken mit Dino-DNA, die weltweit die Getreide-Ernten vernichten. Das bedroht die Menschheit und ruft eine Aktion hervor, bei der die Helden der Geschichte in die Dolomiten fliegen, um im sonst so beschaulichen Südtirol das Reservat für die Dino-Experimente auszumachen, das fast tropisch wirkt. Aber wer weiß, der Klimawandel steht ja vor der Tür. Die heißen Echsen aus Südtirol scheren sich jedenfalls einen Dreck um die Forschung der abtrünnigen Wissenschaftler, und alles steuert wie gewohnt auf das Chaos zu.

Das wirkliche Problem dieses Finales der "Jurassic World"-Trilogie und des Franchise-Sextetts ist seine penetrante Rückbesinnung auf den allerersten Film: Colin Trevorrow wird nicht und nicht müde, die ikonografischen Kameraeinstellungen von Spielberg zu kopieren, dem Plot die exakt gleichen Wendepunkte und Schlüsselszenen zu spendieren und die Schauplätze ganz ähnlich zu dekorieren wie Spielberg es 1993 tat. Es gibt keine Brüche, keine neuen Einfälle, alles wirkt redundant, jedoch in der Rasanz eines James Bond-Films umgesetzt, dem man zugleich die Botschaften eines Umwelt-Thrillers mit eingeschrieben hat. Trevorrow schafft es trotz der vielfach hanebüchenen Wendungen dennoch, vortrefflich zu unterhalten, was vor allem am Auftritt der Ur-Besetzung liegt - und an der Tatsache, dass der erste "Jurassic Park" nach Michael Crichtons Vorlage und Spielbergs Regie wie ein Prototyp eines intelligenten Desaster-Movies vor einem liegt. "Jurassic World - Ein neues Zeitalter" ist wie eine ordentlich aufgemotzte Kopie davon, und zeigt zugleich, welcher Film aus diesem Sextett die einzig wirkliche Kraft hat, gegen die Zeit zu bestehen.