"Sundown" ist die Antithese zu Michel Francos letztem Film "New Order", in dem eine anarchistische Terroristengruppe das gutbürgerliche Mexiko tyrannisierte. In "Sundown" finden die damals im Exzess und exaltiert ausgelebten Konflikte ganz im Inneren einer Person statt: Tim Roth ist hier als nachdenklicher Familienmensch zu sehen, der bei einer Reise nach Acapulco allein am Strand zurückbleibt, als seine Familie heimgerufen wird, weil die Großmutter verstorben ist. Mit fadenscheinigen Argumenten drückt er sich um die Rückreise, verbringt seine Tage biertrinkend am Strand und beginnt eine Liaison mit einer Einheimischen, während er tagelang nicht ans Telefon geht.

Francos "Sundown" ist mehr als eine Familiengeschichte mit großer Tragik; der mexikanische Regisseur verwebt darin wunderbar auch Tourismuskritik und Klassenkämpfe, soziale Verhältnisse und Thriller-Elemente. Lange rätselt man, ob es sich um eine Aussteiger-Geschichte oder um das Verlassen einer Familie handelt, die wahre Motivation von Roths Figur bleibt im Dunkeln, aber nicht unsichtbar. So wird "Sundown" zu einem kleinen Stück großen Kinos.