140 Kilo Lebendgewicht, da kann man schon nach Luft ringen. So wie Georges (Gérard Depardieu), der nach drei Schritten ziemlich aus der Puste kommt und nachts über stundenlanges Herzrasen klagt. George ist ein Filmstar - und ja, die Regiedebütantin Constance Meyer hat hier ganz bewusst Depardieu besetzt, der selbst beleibt und belastet ist, mit allerlei aufgestautem Karriere-Frust. Dieser George wirkt wie ein Alter Ego des französischen Weltstars, der mit Ende 60 ziemlich unfit wirkt und noch dazu Putin-Liebe und Steuerflucht auf der Malus-Seite seiner Beliebtheitsskala stehen hat. Auch der Film-Georges ist ein ziemlicher Unsympathler: Der grantelt nicht nur wie eine alte Diva, er ist auch eine: Körperlich schwer aus der Form, lässt er Drehtermine platzen und nörgelt rum. Sein Umfeld geht damit nicht mehr wohlwollend um, denn der Superstar von einst hat Kratzer bekommen, auch bei den Fans. Aber noch ist er ein Star, das lässt er manche auch spüren.

Da tritt mit der jungen Ringerin Aïssa (Déborah Lukumuena) eine Frau in sein Leben, die dem im Trott der Karriere erstarrten Filmstar Paroli bietet und ihn aus seiner Lethargie teilbefreit. Für einige Wochen übernimmt sie den Job als persönliche Assistentin von Georges, und das ist anfangs eine eher professionelle Angelegenheit. Doch bald ist es auch eine Freundschaft, die sich zwischen den beiden ungleichen Charakteren entwickelt. Eine Freundschaft, ohne die beide eigentlich nicht mehr sein wollen. Regisseurin Meyer gelingt eine sehr intime Erzählung dieser Freundschaft; ihre Hauptfigur, das schwergewichtige Monster George, das sich nur mehr keuchend durch seinen Alltag windet, ist das filmgewordene Symbol für eine allumfassende Einsamkeit: Obwohl Georges überall und jederzeit erkannt wird und auch verehrt, verhallen alle Komplimente, sobald die Tür zu seinem Haus zufallen. Dann ist er zurückgeworfen auf sich selbst, gefangen in einem Mix aus Selbstüberschätzung und Minderwertigkeitskomplexen, was Depardieu in all seiner lethargischen Art sehr überzeugend darbietet.

Die Show stehlen

Noch viel spannender ist aber die Performance der jungen Déborah Lukumuena, einer aufstrebenden Schauspielerin, die mit Schneid und Selbstbewusstsein auftritt, dass sie sogar dem übergroßen Depardieu darstellerisch immer wieder die Show stiehlt. Beide spielen Figuren, die kaum Gemeinsamkeiten haben, und doch schlagen ihre Herzen im selben Takt; man kann den Film auch als Ringkampf zweier Giganten sehen, aber das ist er nicht. Dafür ist die Zwischenmenschlichkeit viel zu harmonisch, trotz aller Ungleichheiten. Depardieu, der vielfach in die Schlagzeilen geratene Putin-Freund, nutzt "Robuste" auch zu einem Auftritt mit viel Selbstironie. Der Titel des Films führt letztlich in die Irre: Robust sind weder George noch Aïssa, und das hat nichts mit ihrer Körperfülle zu tun: Es mangelt ihnen vor allem an seelischer Robustheit, das arbeitet Meyer vortrefflich heraus.