Sie ist geradezu ein Schnäppchen, das man sich nicht entgehen lassen kann: Mit 100 Quadratmetern und einem unglaublichen Blick auf die Giralda von Sevilla wird eine Wohnung zu einem absoluten Sonderpreis verkauft. Erster Haken: scheußliche Tapeten aus den 60er, vielleicht sogar 70er Jahren. Zweiter Haken: Lola (Kiti Mánver). Sie hat ein Wohnrecht auf Lebenszeit, die allerdings äußerst begrenzt sein sollte, denn die 74-Jährige raucht wie ein Schlot, ernährt sich ungesund und bekam schon zwei Bypässe. Zumindest der patscherte Immobilienmakler Óscar (Carlos Areces) ist von diesem Verkaufsargument überzeugt. Eigentlich sind es drei Bypässe, wie Lola während der Begehung aus einem tapetengeschmückten Wandschrank herauskeppelt.

Und die Interessentin? Es ist die attraktive 39-jährige Sara (Juana Acosta), eine erfolgreiche, aber unterkühlte Managerin, die sich nach jahrelanger Ehe mit Daniel (Daniel Grao) hinter seinem Rücken eben diese Wohnung ansieht. Für ihre Zukunft, denn sie zweifelt an einer gemeinsamen. Zu Recht, wie sich wenig später herausstellt.

Temperament versus Kontrolle

Nun prallen diese Frauen und ihre Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aufeinander: Lola ist eine temperamentvolle, lebenslustige Feingeistige, die mit Saras durchorganisiertem Leben und ihrem doch eher konservativen Stil wenig anfangen kann. Sara ergeht es ähnlich, doch Lolas Lockerheit und Sichtweise auf das Leben wird ihr später zur Stütze. Die beiden Frauen entwickeln eine ungewöhnliche Freundschaft, die von Ehrlichkeit, Zuneigung und Humor geprägt ist und letztlich weit über den Vertrag des Wohnungskaufs hinauswächst.

Für sein Spielfilmdebüt als Regisseur hat Bernabé Rico, der zuvor bereits als Drehbuchautor, Schauspieler, Synchronsprecher und Produzent arbeitete, das Theaterstück "100 Quadratmeter" des spanischen Schriftstellers Juan Carlos Rubio verfilmt, mit dem er auch befreundet ist, und der als Ko-Drehbuchautor mitmischte. Das Stück, das nicht nur in Spanien erfolgreich aufgeführt wurde, soll tatsächlich auf einer Immobilienanzeige basieren, in der es um Wohnrecht auf Lebenszeit ging. Jedoch: Der Plot von "Vier Wände für Zwei" ist äußerst vorhersehbar und auch die Auseinandersetzung mit Frauenfreundschaften nicht neu.

Ein Glücksgriff

Doch Rico hat mit der Wahl seiner beiden Hauptdarstellerinnen Acosta und Mánver sowie dem Komiker Carlos Areces, der seine Berufe wechselt wie andere ihre Hemden, und immer wieder das Leben der beiden Frauen kreuzt, einen Glücksgriff bewiesen: Abgesehen von der Harmonie der Schauspielerinnen, sitzen die stechenden Kommentare der jeweils anderen haarscharf zwischen Witz und Tragik. Rico fängt diese Momente oft in Nahaufname ein. Das Beziehungsgeflecht und die Entwicklung der Charaktere mit diesen grandiosen Schauspielerinnen machen diesen Film trotz des voraussehbaren Handlungsfadens absolut sehenswert.

Und wer Spanisch beherrscht: unbedingt in Originalsprache ansehen!