Mit Sequels ist das so eine Sache: Meistens gehen Geschichten in der zweiten und dritten Runde schief, weil man seitens ihrer Erfinder zu wenig Neues wagt und zu viel Erprobtes wiederholt. Das ist bei den bisherigen Filmen über "Monsieur Claude" nicht anders gewesen: Der zweite Teil war eine Variante des ersten, und das Grundthema - Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit, der Krieg zwischen Geschlechtern und vor allem zwischen Religionen - schien in allen Facetten in eine genüssliche Slapstick-Form gegossen worden zu sein. Das Rezept wurde nun für einen dritten Teil erneut adaptiert, denn die genannten Themen sind aus dem Alltag der Menschen nicht verschwunden, im Gegenteil: Seit 2013 Teil eins gedreht wurde, hat sich die Problematik mit gesellschaftlichen Spannungen noch um ein Vielfaches erhöht.

Aber sehen wir "Monsieur Claude und sein großes Fest", der nun in die Kinos kommt, als das, was es ist: Eine leichte Komödie über schwerwiegende Themen, die auch im dritten Aufguss noch nicht erschöpfend behandelt sind. Das zeigt jedenfalls die Fülle an Konflikten, die sich zwischen den Protagonisten auftun.

Diesmal bekommt es Monsieur Claude, wie immer schnoddrig in bester "Alter, weißer Mann"-Manier dargeboten von Christian Clavier, mit der gesamten Verwandtschaft zu tun. Denn der 40. Hochzeitstag von ihm und seinerFrau Marie Verneuil (Chantal Lauby) naht, und die vier Töchter wollen ein Überraschungsfest organisieren, Ballonflug inklusive. Dazu sollen nicht nur die vier Ehemänner (Afrikaner, Jude, Moslem und Chinese), sondern auch deren Eltern anreisen.

"Eine Katastrophe"

Für Monsieur Claude, der immer noch übersensibel auf jede Form von Menschen reagiert, die in seinen Augen keine Franzosen sind, eine Katastrophe. Wobei sich sein Rassismus nicht nur auf die genannten Ethnien beschränkt, sondern ganz bestimmt und fest auch die Deutschen mit einschließt. Überhaupt, als sich ein schmieriger deutscher Kunstsammler seiner Frau annähern will.

Im Grunde beflegeln sich hier alle: Die Schwiegersöhne untereinander, die Schwiegereltern, die Töchter - es strotzt nur so von Vorurteilen, und das war immer die Triebkraft für diese Filme. Realitätsfern ist das nicht: Wer selbst Familie hat und große Zusammenkünfte kennt, wird wissen, worüber sich Regisseur Philippe de Chauveron zusammen mit seinem Co-Autor Guy Laurent ausgelassen hat. Freilich passiert das alles unter Zuhilfenahme einer gewohnt hysterischen Zuspitzung, es gibt auch mehr Slapstick, als eine gute Komödie eigentlich verträgt. Manche der ethnischen Konflikte wirken zudem durchaus angestrengt und überkonstruiert.

Nichtsdestotrotz beginnt "Monsieur Claude und sein großes Fest" mit viel Tempo, Spielfreude und Charme. Alles drei verliert der Film aber in seiner zweiten Hälfte zusehends. Während zu Anfang die Exposition der Geschichte mit vielen launigen Details angefacht wird, verkommt das Familiengemetzel im Verlauf mehr und mehr zu einer Nummernrevue, mit einer doppelten Verhaftung inklusive.

Immerhin bewahrt man sich die Stringenz der Geschichte: Wir lernen nämlich bis zum Ende, dass erstens es immer die Frauen sind, die alles zusammenhalten und jeden Konflikt lösen (müssen). Und dass zweitens man den Deutschen nicht vertrauen kann. Die Erkenntnis, dass alle übrigen Menschen einander total ähnlich sind, liegt auf der Hand: Das kann auch ein schwarzer Schauspieler, der Jesus Christus spielt, nicht ändern. Und eine aufblasbare Jurte auch nicht.

Vereint zeigt sich das Ensemble in der Altersfrage, als die Eltern und Schwiegereltern kollektiv nicht in einen Nachtclub eingelassen werden, beziehungsweise über den Durst trinken. Da krakeelen die zerstrittenen Alten plötzlich ziemlich vereint gegen diese Altersdiskriminierung. Nicht erst in diesem Moment stellt man fest: Wir sind alle ein bisschen Monsieur Claude.