Es gibt einen Film im Werk von Arnold Schwarzenegger, der ist eine Art Substrat von dem, was seine Karriere ausmacht: Ausgerechnet "Last Action Hero" von 1993, diese Persiflage auf das Actiongenre, die an der Kinokasse dereinst mächtig floppte, beinhaltet alle Ingredienzien, die Schwarzeneggers Karriere so einzigartig machten: Da war einmal das rasante Leben des Leinwand-Actionhelden Jack Slater, den Schwarzenegger hier spielte; ein Film-im-Film, in den Slaters größter Fan, der kleine Danny, hineingesaugt wurde, was ihn lehrte, dass in den Filmen jeder Stunt und jede Explosion gut ausgehen; als Slater und Danny in die reale Welt zurückkehren, muss wiederum der Filmheld herausfinden, dass es tatsächlich wehtut, mit der Faust eine Scheibe einzuschlagen, denn als Filmfigur kennt man gewöhnlich keinen Schmerz. Die Schurken kommen hier natürlich aus Afghanistan, und man lernt, wieso Bösewichter bei der finalen Konfrontation mit dem Helden immer ewig lange herumfaseln, anstatt den Wehrlosen einfach zu erschießen.

Ein verkannter Film in Schwarzeneggers Karriere, denn selten hat Hollywood so offen sich selbst persifliert, und das mit den Mitteln des Genres, das es eben persifliert. John McTiernans Regie und Schwarzeneggers Physis, aber auch sein komisches Talent machten "Last Action Hero" zu einem großartigen Stück Unterhaltung, das man auch fast 30 Jahre nach seiner Entstehung höchst amüsant finden kann. Dieser Jack Slater, das war der größte Actionheld aller Zeiten, dargeboten mit viel Augenzwinkern. Genau dasselbe könnte man auch über Schwarzenegger sagen.

Der "Terminator" von James Cameron machte Schwarzenegger zu einer Legende des Actionfilmgenres. - © afp / Jacques Demarthon
Der "Terminator" von James Cameron machte Schwarzenegger zu einer Legende des Actionfilmgenres. - © afp / Jacques Demarthon

Schwarzenegger, der Mann der Superlative

Schwarzenegger war wie gemacht für solche Superlative: Er gewann viermal den Titel "Mister Universum" und siebenmal den "Mister Olympia", er hat einige der erfolgreichsten Filme der Filmgeschichte gedreht, in vielerlei Hinsicht Neuland betreten, und er wurde zweimal zum Gouverneur von Kalifornien gewählt - das höchste politische Amt, das für einen nicht in den Vereinigten Staaten geborenen Amerikaner zu erreichen ist.

"Zum Erfolg gibt es keine Abkürzung", hat Schwarzenegger immer wieder gesagt und damit auf die harte Arbeit verwiesen, die hinter seiner Weltkarriere steckt. All die Jahre des Trainings, all die Niederlagen auf dem Weg nach oben. Das Wiederaufstehen, das hat er schon aus dem Elternhaus mitbekommen, sein Vater galt als streng, aber großzügig.

"Ich habe mir über die Jahre einen Willen aufgebaut, der wie aus Stahl ist. Egal, welches Hindernis im Weg liegt, man muss es überwinden und durchbrechen", sagte Schwarzenegger 2003 in einem Interview zur "Wiener Zeitung". "Das trennt die Gewinner von den Verlierern. Die Loser gehen schlafen. Die Winner halten durch. Wenn man Mohammad Ali fragte, wie viele Sit-ups er macht, dann hat er immer gesagt: Ich fange erst zu zählen an, wenn es wehtut. Die ersten 100 waren irrelevant. Denn der Körper konnte sie mühelos durchhalten, weil er es gewohnt war. Aber wenn du schwitzt, keuchst und fast umkommst und trotzdem noch einmal zu einem Sprint ansetzt - dann ist das Wille."

Thal bei Graz, sein Geburtsort, und bis heute auch sein Sehnsuchtsort. 1947 kam Arnold hier zur Welt, und zur damaligen Zeit schien das Amerika, von dem alle träumten, unendlich weit weg. Aber Arnold wusste: Er wollte es versuchen, mit der ganz großen Karriere als Muskelmann.

1980 wechselte Schwarzenegger nach seinen Titeln zur Schauspielerei - wobei seine Physis die Rollenangebote bestimmte, weniger seine bescheidenen Fähigkeiten im Charakterfach. Schon vor 1980 versuchte er sich mäßig erfolgreich als Darsteller und trat in dem Film "Herkules in New York" unter dem Künstlernamen Arnold Strong auf - der Einfall eines Agenten, den Arnold zum Glück revidiert hat: Als Arnold Strong wäre er wohl höchstens in der Pornobranche erfolgreich gewesen.

Als Schwarzenegger wurde der Ex-Bodybuilder in den USA dank seines unaussprechlichen Namens rascher berühmt als daheim in Österreich. Das Schicksal brachte ihn mit James Cameron zusammen, der in ihm den "Terminator" sah und 1984 mit diesem düsteren Actionfilm Filmgeschichte schrieb. Schwarzenegger wurde über Nacht zur Filmikone.

Erfolgreich mit einer großen Prise Humor

1994 durfte er, ebenfalls unter Camerons Regie, zeigen, wie gut Agentenaction mit Humor kombinierbar ist: "True Lies" ist vielleicht die beste schauspielerische Leistung in Schwarzeneggers Karriere und ein großer Spaß.

Überhaupt ist dieser Steirer, der per se ob seiner Herkunft einen großen Sinn für Humor hat, dann am besten, wenn er die Komödie bespielt, egal, ob in "Twins" (1988) mit Danny de Vito, in "Kindergarten Cop" (1990) oder später selbstironisch in "Last Action Hero" oder den "Expendables"-Filmen. Zu seinen Action-Meilensteinen zählten "Terminator 2", "Red Heat" oder auch "Total Recall". Über seinen Auftritt als Mr. Freeze in "Batman & Robin" (1997) hüllt man sich lieber in Schweigen, aber Fehltritte gehören eben zum Leben und in Arnolds Mentalität sind sie fix eingeplant. "Wieder aufstehen, wenn man am Boden liegt", das war stets seine Devise.

Weshalb es ihm auch gelang, trotz harscher Kritik zwei Perioden lang als kalifornischer Gouverneur zu regieren - zu einer Zeit, als die Welt in einem Krieg gegen den Terror zog und Schwarzenegger trotz seiner Mitgliedschaft in der republikanischen Partei immer wieder die eigene Parteilinie und ihre Protagonisten kritisierte; auch seine Äußerungen zu Donald Trump oder jüngst zu Wladimir Putin positionieren Schwarzenegger als gemäßigten und besonnenen (Ex-)Politiker.

Schwarzenegger ist immer auch Österreicher geblieben

Schwarzeneggers Liebe zur alten Heimat hat er stets bekundet - unter anderem damit, dass er eine Doppelstaatsbürgerschaft führt und nie aufgehört hat, Österreicher zu sein. Dafür ist auch zu viel Österreich in diesem Mann, als dass sich die Herkunft verleugnen ließe: Legendär ist sein "Austrish", eine Mischung aus Englisch mit österreichischem Akzent, den er nie aus seinem Idiom herauslösen konnte.

Die Karriere dieses Mannes ist deshalb so bemerkenswert, weil sie mehr ist als das Leben eines Sportlers, Filmstars und Politikers, der sich zugleich auch für die Paralympics oder den Umwelt- und Klimaschutz einsetzt. Schwarzenegger hat eine weitere wichtige Funktion für das Selbstverständnis des heutigen Österreich: Er wurde zu einer Zeit groß, als sich die Schwaden nach drei Jahrzehnten Nachkriegszeit langsam lichteten und man begann, die NS-Vergangenheit aufzuarbeiten; ein neues Selbstverständnis für das Land musste gefunden werden, und das geschah im Verlauf der 1980er Jahre. Schwarzenegger ist für den Selbstwert Österreichs ungefähr genauso wichtig geworden wie Mozartkugeln oder Fendrichs inoffizielle Landeshymne "I Am From Austria", die ebenfalls aus den 80ern stammt. Und er zeigte vor, wie man aus der Provinz heraus zu Weltruhm gelangen kann (Falco gelang das auch); wie man mit Fleiß, Empathie und dem Bekenntnis zur und dem Stolz auf die eigene Herkunft bis ganz nach oben kommen kann. Ganz ohne peinliche Künstlernamen. Und dank seiner Prominenz kennt die Welt auch den köstlichen Apfelstrudel seiner geliebten Mama Aurelia.

Die Superlativen blieben auch im Alter nicht aus: 2017 hat man ihn zur "Legend of the Century" gekürt. Ein Titel, der ihn anspornt, denn Rentner will Schwarzenegger keiner sein. "Wir haben nur ein Leben. Wir werden lange genug in einem Sarg vergammeln, warum sollten wir jetzt schon unsere Zeit mit Nichtstun verschwenden", sagt er. "Der Tag hat 24 Stunden, sechs davon schläft man, dann bleiben 18 Stunden für sinnvolle Arbeit."