Ein ultrakurzes Röckchen, eine bessere Telefonistin – klingt mehr nach Frau Knackal denn nach bahnbrechender Emanzipation. Und ja, aus heutiger Sicht war es nicht gerade ein hyperfeministischer Auftritt, den Nichelle Nichols als Lt. Uhura im Raumschiff Enterprise hatte.

Aber da sieht man wieder, wie wichtig historischer Kontext ist. Denn die Rolle der Kommunikationsoffizierin auf dem Raumschiff, das dahin ging, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist, war in der Tat auf mehreren Ebenen geschichtsträchtig. Zum einen war Nichelle Nichols damit eine der ersten afro-amerikanischen Schauspielerinnen, die im breitenwirksamen Fernsehen eine tragende Nebenrolle spielte – eine schwarze Frau, die im Fall des Falles sogar die Brücke, also die Verantwortung für das Schiff übertragen bekam! Zur Einordnung: Als die Serie 1966 erstmals ausgestrahlt wurde, war die Rassentrennung in den USA erst seit zwei Jahren durch den Civil Rights Act beendet worden.

Nichelle Nichols gemeinsam mit William Shatner bei einer Gala im Jahr 2006. 
- © afp / Chris Delmas

Nichelle Nichols gemeinsam mit William Shatner bei einer Gala im Jahr 2006.

- © afp / Chris Delmas

Dementsprechend hoch war auch das Risiko, als Serienmacher Gene Roddenberry in einer Folge Captain Kirk (William Shatner) und Uhura einander küssen ließ: der erste TV-Kuss auf den Mund zwischen einem Weißen und einer Schwarzen ging in die Geschichte ein. Er war freilich inhaltlich vor Zensur oder Klagen "abgesichert": Die beiden taten dies nicht aus freien Stücken, sondern weil gedankenkontrollierende Aliens sie dazu brachten.

Ganz frühe Diversität

Trotzdem war dieser Kuss nur eine konsequente Weiterführung einer Idee, die Gene Roddenberry in diesem Musterbeispiel von positiver Science Fiction verfolgte: Eine Sternenflotte, in der die absolute Gleichberechtigung herrscht, in der die ganze Welt sich friedlich vereint, selbst ein Russe durfte auf der Brücke dienen – das war damals im Kalten Krieg ungefähr so umstritten wie es heute wieder wäre.

Und diese utopische Vorwegnahme von etwas, das man heute so bemüht Diversität nennt, das hat Nichelle Nichols auch nach Ende der Serie (und der nachfolgenden Filme) angetrieben. Es ist eine wenig erzählte Geschichte, wie diese Schauspielerin die Nasa für immer ändern sollte. 1977 stellte sie ihre Bekanntheit in den Dienst der Rekrutierung von Teilnehmern des Space Shuttle Programms. Nach einer Präsentation über die Zukunft der Weltraumfahrt stellte sie jedoch fest: "Keiner hier sieht auch nur annähernd so aus wie ich."

Sie machte es sich also zum Ziel, Frauen sowie Afro-Amerikaner und Latinos gezielt zur Nasa einzuladen. "Wenn sie mir die Tür öffnen, werde ich mich hinstellen und sie für alle aufhalten." Sie war sich sicher, dass diese sich nur deshalb nicht bewarben, weil sie dachten, sie würden ohnehin nicht genommen werden. Und sie verfolgte die Mission mit strenger Ernsthaftigkeit, wollte sich nicht als kurzfristigen Werbegag verstanden wissen: "Wenn ich meinen Namen und meinen Ruf für die Nasa einsetze und qualifizierte Frauen und Menschen aus einer Minderheit finde, die sich bewerben, und dann ein Jahr später ist das Astronauten-Corps immer noch lilienweiß und durchgehend männlich, dann werde ich persönlich eine Sammelklage gegen die Nasa einreichen."

Dazu kam es nicht, im Gegenteil, 1983 war der erste schwarze Mann im Weltall, im selben Jahr die erste Frau. War das wirklich allein Nichelle Nichols‘ Verdienst? Wahrscheinlich nicht. Aber ohne ihr Vorbild und ohne ihre Durchsetzungskraft hätte die Nasa sich der Problematik wohl kaum so schnell angenommen.

Keine Alterskarriere

Nichols spielte in allen Star Trek Filmen der Originalbesatzung mit, dabei wurde immer öfter auch ihr komödiantisches Talent hervorgehoben. Sie war auch Jahrzehnte lang viel bejubelter Gast bei Fan-Conventions. Verwehrt blieb ihr freilich eine späte Karriere, die vom Legendenstatus zwar zehrt, aber auch abseits von einschlägigen Science-Fiction- und Weltraumthemen reüssiert, wie es William Shatner vergönnt ist.

Nichelle Nichols wurde 89 Jahre alt, sie wird von ihren Raumschiff-Kollegen Kirk (Shatner), Chekov (Walter Koenig) und Sulu (George Takei) überlebt.