Ab kommender Woche wird Daisy Edgar-Jones in "Der Gesang der Flusskrebse" in den Kinos zu sehen sein, und ihre Hauptrolle gilt schon jetzt als eine der vielversprechendsten Performances des Jahres. In der Verfilmung des Romans "Where the Crawdads Sing" der Zoologin Delia Owens spielt Edgar-Jones die junge Kya, eine Frau, die allein in den Sümpfen von North Carolina aufgewachsen ist, nachdem ihr alkoholkranker Vater die gesamte Familie vertrieben hatte. Zuerst ließ die Mutter Kya und ihre Geschwister zurück, und nach und nach gingen auch die Brüder und Schwester, die der Gewalt des Vaters buchstäblich entflohen. Nur Kya blieb, sie war die Jüngste, und als der Vater auch eines Tages verschwand, war sie allein im Sumpf. Der Tod eines jungen Mannes wird nun zum Anlass, Kya einer Gewalttat zu beschuldigen, die der jungen Frau einen Mordprozess einbringt. Mit dem ausgiebigen Einsatz von Taschentüchern konnte die Geschichte von Kya das Premierenpublikum in Locarno überzeugen.

"Ich habe diesen Ort geliebt. Die Kulisse in den Sümpfen war mir schon beim Lesen des Buches aufgefallen. Der Sumpf ist selbst eine der Figuren im Film", sagt Daisy Edgar-Jones in Locarno. Bekannt geworden durch die Rolle der Marianne Sheridan in der britischen Miniserie "Normal People", ist Daisy Edgar-Jones schon von früher Jugend an mit dem Kino als Ort großer Gefühle konfrontiert worden. "Meine Mutter war Video-Editorin, sie hatte genaue Vorstellungen vom Umgang mit einer Kamera und von Postproduktionsprozessen. Ich bin zu Hause mit der Liebe zum Kino aufgewachsen".

Edgar-Jones hat ihre erste große Schauspielerfahrung in ‚Cold Feet‘, einer Fernsehserie, in der sie "eine kleine, aber wichtige Rolle, die es mich gelehrt hat, wie man vor einer Kamera agieren muss, wie sich die Schauspieler bewegen. Vor ‚Cold Feet‘ konnte ich nicht einmal vor einer Kamera gehen, ohne mich furchtbar zu schämen." 

Diese Zeit ist vorbei. Daisy Edgar-Jones will nun große Filmrollen spielen, und sie hat auch große Vorbilder: "Tilda Swinton zum Beispiel, weil sie immer interessante Entscheidungen trifft, in ihrer Rollenwahl. Sie ist unberechenbar. Wie auch Frances McDormand".

Ihre Filmfigur Kya biete, so Daisy Edgar-Jones, durchaus die Möglichkeit zur Identifikation. "Allerdings erst, wenn man genauer hinsieht. Ich denke, in jedem von uns steckt ein bisschen Kya. Die Art und Weise, wie sie aufwachsen muss, die Umstände, ich denke, kann für Frauen, aber auch für Männer inspirierend sein, für sich selbst und für das zu kämpfen, woran man glaubt. Als Schauspielerin sind das die Filme, die ich drehen möchte".