Die US-Schauspielerin Louise Fletcher ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 88 Jahren in ihrem Haus in Frankreich, wie Associated Press berichtete. Fletcher war vor allem für ihre Darstellung der tyrannischen Oberschwester Ratched in Milos Formans "Einer flog über das Kuckucksnest" an der Seite von Jack Nicholson bekannt. Dafür erhielt sie sowohl einen Oscar als auch einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin.

Geboren 1934 in Birmingham (Alabama) als Tochter gehörloser Eltern, hatte Fletcher das Sprechen von einer hörenden Tante gelernt, die sie auch mit der Schauspielerei in Kontakt brachte. Nach dem Studium machte Fletscher erste Erfahrungen als Schauspielerin im Sommertheater und zog für ihre weitere Schauspielausbildung nach Los Angeles. Tagsüber arbeitete sie als Sekretärin. Anfang der 1960er Jahre konnte sie tatsächlich Auftritte in verschiedenen Fernsehproduktionen und eine kleinere Nebenrolle im Film "Der Kommodore" verbuchen. Mit ihren 1,78 Metern war sie damals größer als einige ihrer männlichen Mitdarsteller, was ihrer Karriere eher schadete. Nicht zuletzt deshalb hängte sie diese 1963 an den Nagel und widmete sich der Erziehung ihrer Kinder.

Rückkehr in die Filmwelt nach einem Jahrzehnt Pause

Ein Jahrzehnt später kehrte sie allerdings wieder in Filmwelt zurück: 1974 bekam sie eine Rolle in Robert Altmans "Diebe wie wir". Darin sah sie Miloš Forman und castete sie als tyrannische Oberschwester Ratched in "Einer flog über das Kuckucksnest" mit Jack Nicholson - die Rolle brachte ihr den Oscar und den Golden Globe als Beste Hauptdarstellerin in einem Drama ein. Das American Film Institute führt ihre Figur der Schwester Ratched auf Platz fünf in seiner Liste der hundert besten US-Filmbösewichte aller Zeiten.

Ein echter Hollywood-Star wurde Fletcher allerdings trotz Oscar nicht. Auch, weil sie inzwischen jenseits der 40 war und im jugendfixierten Hollywood keine entsprechenden Rollen bekam. Allerdings konnte sie sich als Charakterdarstellerin und in Nebenrollen verdingen, etwa in "Exorzist II – Der Ketzer" (1977), "Der Schmalspurschnüffler" (1978), "Projekt Brainstorm" (1983), "Der Feuerteufel" (1984) oder "Invasion vom Mars" (1986). Ein paar Hauptrollen hatte sie auch, etwa in den Psychothrillern "Blumen der Nacht" und "Natural Enemies" (1979). In späteren Jahren war sie auch in zahlreichen Fernsehserien zu sehen. So wurde sie für ihre wiederkehrende Rolle in der Fernsehserie "Picket Fences" für einen Emmy Award nominiert. Auch in der Science-Fiction-Serie "Star Trek: Deep Space Nine" trat sie immer wieder als Kai Winn, die religiöse Führerin der Bajoraner, auf. Und in der US-Serie "Shameless" spielte sie 2011 und 2012 eine Ex-Inhaftierte und Mutter der von William H. Macy verkörperten Hauptfigur der Serie. Ihre letzte Rolle übernahm Fletcher 2017 in der Fernsehserie "Girlboss".

Privat war sie ab 1960 mit dem Filmproduzenten Jerry Bick (1923 bis 2004) verheiratet, von dem sie 1977 geschieden wurde. Die beiden hatten zwei Söhne. Für Aufsehen sorgte danach eine kurze Beziehung mit dem fast 21 Jahre jüngeren Morgan Mason, dem Sohn des Schauspielers James Mason. Neben ihrem Haus in Los Angeles hatte sie einen zweiten Wohnsitz in Südfrankreich, wo sie nun verstorben ist. (red.)