Die meisten kannten sie – wenn überhaupt – von einem Auftritt, der Hollywood-Geschichte schrieb. 1973 wurde Sacheen Littlefeather von Marlon Brando als seine Entsandte zur Oscar-Verleihung geschickt. Seine Auszeichnung für "Der Pate" wollte er nicht haben, aber die weltweite Aufmerksamkeit und die Sendezeit schon – um sie den amerikanischen Ureinwohnern zu "spenden". Es war eine Zeit der Bürgerrechtsproteste und Sacheen Littlefeather sollte – in Apache-Tracht – unter anderem den Umgang mit Native Americans und ihrer Geschichte in Hollywood kritisieren, eine Kulmination der jahrhundertelangen Unterdrückung der Indianer. Außerdem wies Littlefeather auf die damals gerade stattfindende Besetzung des Dorfes Wounded Knee hin, eine bürgerkriegsähnliche Eskalation in einer der ärmsten Gegenden der USA. In dieser Ortschaft im US-Bundesstaat South Dakota wurden 1890 je nach Quelle 150 bis 350 Lakota-Indianer vom US-Militär massakriert. An diesem historisch aufgeladenen Ort nahmen 1973 Mitglieder der militanten Gruppe American Indian Movement elf Geiseln. Die Aktion sollte die Absetzung des korrupten und gewalttätigen Stammesvorsitzenden von Pine Ridge, Dick Wilson, erreichen. Das FBI beendete die Belagerung nach 71 Tagen gewaltsam.
Gewaltandrohung hörte auch Sacheen Littlefeather hinter der Bühne der Oscars: John Wayne, Vertreter des kritisierten Western-Genres, konnte kaum an sich halten. Für das, die Buhrufe und das Lächerlichmachen hat sich die Oscar-Academy heuer öffentlich entschuldigt. Gerade noch zu Lebzeiten, wie sich herausstellen sollte. Sacheen Littlefeather ist mit 75 Jahren an Brustkrebs gestorben.

Die Oscar-Aktion sollte Littlefeather – naturgemäß, als Frau und Angehörige einer Minderheit – nachhaltiger schaden als Marlon Brando. Ihre zögerlich anlaufende Filmkarriere war damit beendet. Nicht jedoch ihre Laufbahn als engagierte Aktivistin, die schon viel früher begonnen hatte. So war sie bereits 1969 dabei, als die Gruppe "Indians of all tribes" die Insel Alcatraz besetzte. Sie demonstrierte für die Durchsetzung jenes Vertrags, der den Indianern die Nutzung von ehemaligem Bundesgebiet zugesagt hatte, falls es nicht mehr gebraucht würde. Das frühere Gefängnis war zu dem Zeitpunkt seit sechs Jahren außer Betrieb.
Littlefeathers Vater war eine Mischung aus Apache und Yaqui, ihre Mutter war Weiße. Weil beide psychisch krank waren, lebte sie vorrangig bei den Großeltern. Diese schickten sie auch in eine jener katholischen Schulen, die "etwas anderes als Indianer aus uns machen wollten", erzählte sie. Weil ihre Identitätssuche schließlich auch ihre psychische Gesundheit beeinträchtigte, verübte sie einen Suizidversuch. Nach dem Ende der High School nahm sie – als Marie Cruz geboren – den Namen Sacheen Littlefeather an, um ihre indianische Herkunft anzunehmen und zu betonen. Sie besuchte Reservate in Arizona, New Mexico und Kalifornien, um Traditionen, Tänze und Trachten kennenzulernen. "Die Alten aus den Reservaten zeigten uns, wieder Indianer zu sein."

Mit dem Katholizismus sollte sie sich auf gewisse Weise aussöhnen, wurde sie doch im Erzbistum San Francisco Koordinatorin des San Francisco Kateri Circle, der das Andenken an die 1980 selig- und 2012 heiliggesprochene Indigene Kateri Tekakwitha wahrt und dabei indianische und katholische Gläubige zusammenführt: "Wir machen zum Beispiel mitten in der Messe einen Büffeltanz". Auch die AIDS Hilfe für Native Americans unterstützte sie, sie wirkte in mehreren Dokumentationen mit, etwa der mit dem Emmy ausgezeichneten Sendung "Dance in America: A Dance for Dead Warriors". Sacheen Littlefeather hatte einen langen Atem als Aktivistin für die Rechte der Native Americans. Das sah sie durchaus als eine herausragende Eigenschaft der amerikanischen Ureinwohner: Ihre Antwort, als sich die Academy nach so langer Zeit bei ihr entschuldigte: "Wir Indianer sind sehr geduldige Menschen. Das hat ja nur 50 Jahre gedauert! Wir brauchen unseren Sinn für Humor. Er ist unsere Überlebensstrategie."