Der Verband Filmregie Österreich übt Kritik am Umgang von Medien und Institutionen mit den Vorwürfen rund um die Dreharbeiten zu Ulrich Seidls Film "Sparta". Nach der Veröffentlichung von Anschuldigungen im "Spiegel" und später im "Falter" sei es zu "zahlreichen übereilten und unsachlichen öffentlichen Reaktionen" gekommen. Eine Prüfung des Sachverhalts wurde nicht abgewartet. "Vielmehr wurde einer Vorverurteilung Vorschub geleistet", kritisierte der Verband.

"Die Tatsache, dass auch ein Rechtsstaat blinde Flecken haben kann, darf nicht dazu verleiten, seine Mechanismen gleich völlig zu ignorieren. Normen wie die Unschuldsvermutung sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern kulturelle Errungenschaften, die wir als Prinzipien hochhalten müssen", hieß es in einer Aussendung. Nur die konsequente Haltung von José Luis Rebordinos, Direktor des San Sebastian Filmfestivals, habe verhindert, dass "Sparta" aufgrund ungeklärter Vorwürfe gecancelt wurde. "Wir appellieren deshalb an die Medienvertreter, das journalistische Objektivitätsgebot zu achten. Wir fordern darüber hinaus die Vertreter der öffentlichen Kunst- und Kulturförderung auf, ihre Verantwortung als professionelle Repräsentanten und gegebenenfalls auch Fürsprecher von Kunst und Künstlern nachzukommen", so der Verband Filmregie.

Der Verband betonte, dass die Vorwürfe zweifelsohne schwer wiegen. Es sei eine "gründliche und unvoreingenommen Prüfung des Sachverhalts" nötig. Das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte Anfang September nach Gesprächen mit Drehbeteiligten berichtet, die Familien rumänischer Laiendarsteller wären nicht korrekt über das Filmthema Pädophilie informiert worden und Kinder hätten sich am Set unwohl gefühlt. Das Toronto Filmfestival sagte daraufhin die Weltpremiere von "Sparta" ab. In San Sebastian wurde der Streifen dagegen gezeigt. Er wird auch im Rahmen der 60. Viennale Ende Oktober in Wien zu sehen sein.

Seidl äußerte sich gegenüber dem Nachrichtenmagazin "profil" in einem Interview jüngst zur Causa. Darin sprach er von einer "grotesken Verdrehung" gewisser Medien, es so darzustellen, als wären am Dreh beteiligte Kinder "permanentem Machtmissbrauch" ausgesetzt gewesen. Auch sei er mittlerweile nach Rumänien gefahren, um den Film zu zeigen. "Mir selbst werfen die Familien - jetzt, wo sie den Film kennen - nichts mehr vor." (apa)