Es begann mit einem Artikel der "New York Times" und entwickelte sich rasant zu einer weltweiten Bewegung. Vor fünf Jahren, am 5. Oktober 2017, berichtete die renommierte US-Zeitung in einer aufsehenerregenden Enthüllungsgeschichte über Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein. Zehn Tage später rief die Schauspielerin Alyssa Milano Internetnutzerinnen dazu auf, sich unter dem Hashtag #MeToo als Opfer sexueller Gewalt zu erkennen zu geben.

Es war der Beginn einer beispiellosen Kampagne gegen sexuelle Übergriffe. Weltweit wurden zahlreiche Fälle von sexueller Gewalt - von Belästigung bis hin zur Vergewaltigung - publik gemacht. Das einstige Tabuthema wurde offen angeprangert, scheinbar unantastbare Prominente wurden geächtet, von Kevin Spacey über Bill Cosby bis hin zu R. Kelly.

In dem "New York Times"-Artikel über Harvey Weinstein machten die Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey öffentlich, über was in Hollywood-Kreisen schon lange gemunkelt wurde. Der einflussreiche Produzent von Erfolgsfilmen wie "Pulp Fiction" und "Shakespeare in Love" hatte über Jahrzehnte seine Macht genutzt, um Frauen zu sexuellen Gefälligkeiten zu nötigen - und sie dann unter anderem mit Geld zum Schweigen gebracht.

Wenige Tage nach der "New York Times" veröffentlichte das Magazin "New Yorker" einen eigenen Enthüllungsartikel, in dem Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Gründer des Filmstudios Miramax erhoben wurden. Weinstein wurde binnen kürzester Zeit zum Ausgestoßenen - und im März 2020 wegen Sexualverbrechen zu 23 Jahren Haft verurteilt.

"#MeToo hat gezeigt, dass sexuelle und sexistische Gewalt eine alltägliche Realität ist", sagt die Soziologin Sandrine Ricci von der Universität von Québec in Montréal. "Die Bewegung hat Opfern geholfen, besser zu verstehen, was ihnen angetan wurde."

"Die Menschen waren überrascht - sie wussten nicht, wie weit verbreitet sexuelle Belästigung ist", sagt Hillevi Ganetz von der Universität Stockholm. "Tag für Tag gab es Berichte, es war überwältigend. Es war eine Revolution und es war wunderbar."

Waren die USA das Epizentrum von #MeToo, folgten in zahlreichen Ländern Frauen dem Beispiel. Nach Angaben des Pew Research Center wurde der Hashtag, den die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke schon 2006 geschaffen hatte, nach Milanos Tweet binnen eines Jahres mehr als 19 Millionen Mal verwendet.

Doch bald schon wurde auch Kritik an der Bewegung laut. Ein Vorwurf lautet, dass durch unbewiesene - und womöglich falsche - Anschuldigungen binnen kürzester Zeit Ansehen und Karriere von Menschen zerstört werde können. Die französische Schauspiel-Ikone Catherine Deneuve sprach von einer "medialen Lynchjustiz" und prangerte einen neuen "Puritanismus" und ein "Klima der Zensur" an.

Kino-Legende Brigitte Bardot bezeichnete die Anschuldigungen vieler Schauspielerinnen in einem Interview als "scheinheilig und lächerlich". Viele Schauspielerinnen würden versuchen mit Produzenten zu flirten, um eine Rolle zu ergattern. "Und dann sagen sie, dass sie belästigt wurden, damit wir über sie reden."

Die richtige Balance zu finden - ein entschiedenes Vorgehen gegen sexuelle Gewalt ohne vorschnelle öffentliche Vorverurteilungen - ist häufig schwierig, zumal die Justiz in vielen Fällen unter anderem wegen Verjährungsfristen nicht zuständig ist. Während einige beklagen, #MeToo habe im Verlauf der Zeit an Schwung verloren, sehen viele auch Fortschritte.

In einigen Ländern wurden Gesetze gegen sexuelle Gewalt verschärft, zahlreiche Unternehmen führten neue Mechanismen ein, um sexuelles Fehlverhalten zu verhindern und Vorwürfe umfassend aufzuklären. In der Filmbranche setzt die Anti-Missbrauchs-Gruppe Times Up auf Experten, die Vorwürfe unabhängig prüfen sollen. "Wir wollen Prozesse durch Medien vermeiden", sagt die Leiterin der Gruppe in Großbritannien, Heather Rabbatts. "Das hilft niemandem." (apa/ afp)