Schauspielerin Viola Davis hat schon einen Oscar gewonnen, für ihre Performance als beste Nebendarstellerin in "Fences" (2017) - sie nutzt diesen Bonus, um auch Stoffe zu realisieren, die sonst vielleicht keine Chance hätten. Als Produzentin und Hauptdarstellerin in Personalunion hat sie sich der wahren Geschichte von Generalin Nancisca angenommen, die im westafrikanischen Königreich von Dahomey (heute Benin) im Jahr 1823 als Anführerin der Agojie, einer Elite-Einheit, fungiert, die nur aus Frauen besteht und für ihre außergewöhnliche Brutalität bekannt ist. Die Ausgangslage ist denkbar ungünstig: Denn das Königreich steht unter der Herrschaft des übermächtigen Imperiums der Oyo. Der Dahomey-König Ghezo (John Boyega) ist gezwungen, an die Besatzer Abgaben zu zahlen, was ihm und Nancisca gar nicht gefällt. Als die rebellische Nawi (Thuso Mbedu) die aufwendige und anspruchsvolle Ausbildung bei den Agojie beginnt, spitzt sich der Konflikt zwischen Dahomey und seinen Besatzern zu. Die Oyo haben Sklavenhändler geschickt, das Volk soll von ihnen ausgebeutet und versklavt werden. Doch in dem brutalen Vorgehen der Oyo sieht Nancisca auch eine Chance. Sie wird nämlich auf den Oyo-Krieger Oba Ade (Jimmy Odukoya) treffen, der sie dereinst vergewaltigt hat. Nancisca sinnt auf Rache.

Vorbild für "Black Panther"

Die Kriegerinnen aus "Black Panther", sie finden in "The Woman King" ihre realen Vorbilder, das hat Marvel bereits 1998 in den Comics so eingeführt, wo die weibliche Leibgarde des Königs von Wakanda auf den Agojie basierte. Und "Black Panther" ist vermutlich auch der Grund, weshalb ein Film wie "The Woman King" überhaupt produziert werden konnte. Denn das noch immer stockkonservative Hollywood fürchtet nichts mehr als finanzielle Flops, und vor "Black Panther" traute sich deshalb kein Studio, einen Film herauszubringen, dessen Cast beinahe ausschließlich schwarz gewesen wäre. Aber "Black Panther" hat ein Millionenpublikum begeistert und gezeigt, dass ein Kassenschlager nicht von der Hautfarbe abhängt.

Dennoch mühte sich Viola Davis als Produzentin jahrelang, das Geld für "The Woman King" aufzutreiben. Das merkt man auch am Script: Da gibt es immer mal wieder flammende feministische Reden oder Phrasen über das Durchhalten und ähnliche Kampfansagen, die wie eine Selbstmotivation der Filmemacher im Kampf gegen die Benachteiligung farbiger Darstellerinnen klingen.

Ansonsten ist das Buch von Dana Stevens gespickt mit feministischen Ansätzen, die Umsetzung von Regisseurin Gina Prince-Bythewood ist durchaus rasant und gefällig. Vor allem die weiblichen Figuren sind hier mit Sorgfalt ausgestaltet, während die wenigen männlichen Charaktere eher holzschnittartig behandelt werden. Darunter leidet auch der recht eindimensional geratene Bösewicht mit seiner Machete, der von dem nigerianischen Superstar Jimmy Odukoya gespielt wird.

Viel Geld und Mühe floss in die Ausstattung und in die Umsetzung der Actionszenen. Opulente Bilder gut choreografierter Schlachten machen Spaß und brauchen keine Computertricks, um effektiv zu sein. "The Woman King" ist eine adrette Action-Verfilmung historischer Tatsachen, gesehen aus einer (weiblichen) Hollywood-Perspektive.