Der mordende Michael Myers (James Jude Courtney) gelangte 1978 zu Weltruhm in den Kinos, als John Carpenter ihn in "Halloween" ins Rennen um den Titel des grausamsten Horrorkillers der Filmgeschichte schickte. Seither ist der Bösewicht schon 13 Mal in einem "Halloween"-Aufguss zu sehen gewesen, und nun, mit "Halloween Ends" (derzeit im Kino), soll die Horror-Franchise endgültig zu Grabe getragen werden, wenn es nach den Machern geht. Oder etwa doch nicht?

Denn genau genommen ist "Halloween Ends" bloß der Abschluss der "Halloween"-Trilogie, die Regisseur David Gordon Green zusammen mit der Ur-Besetzung - allen voran mit Jamie Lee Curtis in der Rolle der Laurie Strode - vor vier Jahren gestartet hatte und nun selbst vollendet. Es gibt also theoretisch Raum für weitere Filme, halt nicht mehr in dieser Besetzung. Und wer Hollywood kennt, weiß, dass Melkkühe hier bis zum allerletzten Tropfen gemolken werden.

Eine folgenschwere Rückkehr nach Haddonfield

Michael Myers (James Jude Courtney) mordet noch immer. - © Universal Picturers
Michael Myers (James Jude Courtney) mordet noch immer. - © Universal Picturers

Vorerst aber gilt es für Laurie Strode, ihrem Killerverfolger Myers ein weiteres Mal zu entkommen. Vier Jahre nach "Halloween Kills" versucht Laurie, ihr altes Leben hinter sich zu lassen, schreibt ihre Memoiren und kümmert sich um ihre Enkeltochter Allyson (Andi Matichak). Als jedoch ein Teenager des Mordes beschuldigt wird, kehrt ein altes Übel nach Haddonfield zurück, woraufhin sich Laurie einer finalen Konfrontation mit Michael Myers stellen muss. Dass "Halloween Ends" mit einigen Überraschungen aufwarten kann, ist für die Fans ein guter Mehrwert.

45 Jahre nach Beginn der Reihe wird in diesem Film jedenfalls nur einer überleben - Myers oder Strode, das versprechen die Macher. "Ich muss Laurie nun freilassen und sie im Geist und in den Herzen der Fans weiterleben lassen, die sie unterstützt haben", sagte Jamie Lee Curtis unlängst in einem Interview mit dem US-Magazin "Entertainment Weekly".

Genauso schwer totzukriegen wie Michael Myers war in der Geschichte der Franchise aber eben auch Laurie Strode. Die stieg zwar schon nach dem dritten Film 1982 aus, man erklärte lapidar ihren Tod, als man 1988 "Halloween 4" veröffentlichte. Aber ab "Halloween H20" von 1998 war Jamie Lee Curtis in dieser Paraderolle wieder mit von der Partie, und die meisten Fortsetzungen taten seither so, als verstünden sie sich als direktes Sequel des ersten Films von 1978.

Angsterfüllter Spaß und billiger Schrecken

Man muss das freilich alles gar nicht wissen, um bei "Halloween Ends" einen großen, angsterfüllten Spaß zu haben; aber das Genre des Horrorfilms arbeitet sich eben zu gerne an Referenzen auf vergangene Gruselorgien ab. Bezüge zu älteren Filmen machen für viele Horrorfans den Spaß überhaupt erst aus. Wenn Filme wie "Halloween Ends" dann gekonnt mit Versatzstücken aus früheren "Halloween"-Filmen spielen, dann ist das für die Zuschauer wie ein Wiedersehen mit alten "Freunden". Man fühlt sich dann paradoxerweise wohl in der Gesellschaft dieser üblen Horror-Bestien.

Dazu gehört es auch, die formale Formel einer Franchise penibel einzuhalten: Ohne abgedunkelte Räume und klirrenden Messerklingen geht hier gar nichts; sie sind die Grundvoraussetzungen für diese Form des billigen Schreckens, den die Fans von "Halloween" so sehr lieben. David Gordon Green ist dafür der geeignete Regisseur: Er liefert zuverlässig zwei Stunden üppiges Slasher-Vergnügen. Wem’s halt Spaß macht.

Damit die Spannung erhalten bleibt, wurde "Halloween Kills" von Beginn an als großes Finale angekündigt. Auch die Trailer verrieten schon, dass es im Film eine Art Showdown zwischen Myers und Strode geben würde. "Im Drehbuch war das eine Art wilde Schlägerei, und dann saßen wir mit den Schauspielern und unseren Stunt-Koordinatoren herum und fragten, wie wir dem Ganzen etwas Emotion, etwas Intimität verleihen können", erzählt Regisseur David Gordon Green.

Zwei Überlebende, die einander in die Augen sehen

Die Lösung war denkbar simpel (wie vieles in Hollywood-Filmen): "Wir sagten uns: Dies sind zwei Charaktere, die Überlebende sind und 44 Jahre voller Schmerzen durchgemacht haben. Wie ist es, wenn sie einander in die Augen sehen und sagen: Nur einer von uns wird überleben", fragte sich Green. Die Wehmut hält sich dennoch in Grenzen, denn: So richtig an ein Ende dieser Horror-Reihe glaubt ohnehin niemand.

Weitere Links
https://youtu.be/aooRfeNwmQ0