Wien. Mit hochkarätigen Filmen geht die Viennale an diesem Wochenende ins Finale, bevor die 60. Ausgabe der Filmschau am 1. November mit einer Galavorstellung zu Ehren des südkoreanischen Filmemachers Hong Sang-soo endet. Am Samstag können gleich mehrere potenzielle Oscar-Kandidaten bei der Viennale begutachtet werden, allen voran Martin McDonaghs "The Banshees of Inisherin" (13.00 Uhr, Gartenbaukino), der von einer schrulligen Männerfreundschaft in der irischen Provinz erzählt. Colin Farrell wundert sich in dem 1923 angesiedelten Film darüber, dass sein bester Freund (Brendan Gleeson) diese Freundschaft urplötzlich nicht mehr will - was schlimme Konsequenzen nach sich zieht. McDonaghs Film dürfte vor allem wegen Farrells und Gleesons herrlich im irischen Idiom verhafteten Performances bei diversen Filmawards gute Chancen haben.

Ebenfalls am Samstag (15.30 Uhr, Gartenbaukino) gibt es mit "Bones and All" den neuen Film des Italieners Luca Guadagnino zu sehen: Timothée Chalamet ist darin als Menschenfresser unterwegs. "Bones and All" ist aber kein Horrorfilm, sondern erzählt von der zärtlichen Annäherung des Außenseiters und einer jungen Frau (Taylor Russell), die sich ebenfalls als Kannibalin entpuppt. Für Guadagnino gab es im September dafür den Regiepreis beim Filmfestival von Venedig.

Eine Mutter-Tochter-Beziehung steht im Zentrum von Joana Hoggs eigenwilligem Film "The Eternal Daughter" (20.45 Uhr, Gartenbaukino), in der eine Schriftstellerin und ihre Mutter (beide gespielt von Tilda Swinton) auf der Suche nach alten, tief vergrabenen Familiengeheimnissen in einem dunklen, opulenten und verlassenen Landhotel von der Vergangenheit eingeholt werden.

Schwergewicht Fraser

Schwergewichtig wird es am Sonntag: In Darren Aronofskys "The Whale" (18.15 Uhr, Gartenbaukino) geht es um einen Mann, der einst Frau und Tochter verließ, um mit einem anderen Mann zusammenzuleben. Charlie, gespielt von Brendan Fraser, will sich seiner 17-jährigen Tochter wieder annähern, aber das beinhaltet einige Tücken. Eine davon ist sein Körpergewicht: Als sein Lover starb, entwickelte Charlie eine trauerbedingte Essstörung und legte auf 270 Kilo zu. Fraser ist großartig in der Rolle und gilt auch als Favorit bei den Oscars.

"El agua" von Elena López Riera (Sonntag, 18.00 Uhr, Stadtkino, sowie am 1. November, 21.00 Uhr, Urania) entführt in ein abgelegenes spanisches Dorf, in dem der lokale Fluss immer wieder junge Frauen raubt, wenn er über die Ufer tritt. Darin eingebettet erzählt Riera eine Coming-of-Age-Geschichte, die auch viel über das rurale Spanien zu berichten weiß.

Kammerspielartig verläuft "The Listener" (20.45 Uhr, Stadtkino) von Steve Buscemi, der die Telefonseelsorgerin Beth (Tessa Thompson) durch eine anstrengende Nachschicht begleitet. Für Liebhaber des südkoreanischen Thrillers empfiehlt sich am 31. Oktober Park Chan-wooks "Decisions to Leave", in dem sich bei einem Mordfall eine seltsame Beziehung zwischen Kommissar und Witwe des Toten entwickelt. Spannend und mit großer Sogwirkung.