Lange Zeit tappt man im Dunkeln. Der junge Mann mag es gerne etwas wilder, sie kann nicht einmal "Nein" sagen. Aus drei Perspektiven erzählt uns "Menschliche Dinge" von einer Vergewaltigung. Das Opfer ist die siebzehnjährige Jüdin Mila, der Täter ein Eliteuni-Student namens Alexandre. Sie freunden sich an, weil seine Mutter, eine berühmte Feministin, und ihr Vater ein Paar sind. Vorlage für den Film ist ein Bestsellerroman von Karine Tuil über einen #MeToo-Gerichtsfall. Der Film will die Graustufen einer solchen Situation in allen Facetten erforschen.

Eine Verwechslung?

In "Menschliche Dinge" ist oft nicht ganz klar, wo der Täter beginnt und wo das Opfer aufhört. Als Alexandre Mila im nächtlichen Park die Tür zu einem Müllraum aufhält, folgt sie ihm bereitwillig hinein. Als die Polizei bei Alexandre anklingelt, glaubt man kurz an eine Verwechslung. Hat nicht sein Vater, ein mächtiger TV-Journalist, gerade eben etwas viel Schlimmeres getan? Denn im Grunde geht es in "Menschliche Dinge" nicht nur um einen einzelnen gewaltsamen Akt, sondern um Gewalt und Machtmissbrauch in menschlichen Beziehungen im Allgemeinen.

Wenn es um das Thema Sexualität geht, kennt das französische Kino kaum Tabus. Daher war klar: Ein französischer #MeToo-Film würde anders sein. Mit Prüderie und amerikanischem Schwarz-Weiß-Denken will er nichts zu tun haben. Leider ist Yvan Attals detaillierte Filmstudie manchmal ein bisschen langatmig.