In "Call Jane" ist der Aufbruch spürbar. Bereits in der Anfangsszene knistert es: Wir treffen die Juristengattin Joy in einer Hotellobby. Draußen haben sich bereits Demonstranten versammelt. Der revolutionäre Funke erfasst die Hauptfigur Joy (Elizabeth Banks) erst nach und nach. Diese Aufbruchsstimmung wird von einem Soundtrack getragen, der vor Flowerpower nur so strotzt.

"Call Jane" erzählt die wahre Geschichte einer Frauengruppe, die in den 1960er Jahren in Chicago Schwangerschaftsabbrüche organisierte. Mit "Carol" legte die Regisseurin Phyllis Nagy bereits eine sehr eindrucksvolle Frauenstudie vor. Nun meldet sie sich abermals mit einer sogenannten HerStory zurück.

In einer schicksalhaften Szene tanzt die schwangere Joy in ihrer Küche zu The Velvet Underground. Dann fällt sie zu Boden. Eine Abtreibung würde ihr Leben retten. Fortan nimmt ihr bürgerliches Frauenleben eine dramatische Wende: Anstatt mit ihr wird über sie gesprochen - und über ihren Körper entschieden. Denn damals war Abtreibung in den USA verboten. Ein reines Männerkomitee soll über ihr Schicksal bestimmen. Joy muss sich fragen: Was ist ein Frauenleben wirklich wert? Sie trifft auf Jane - eine Gruppe von Frauen, die ihr Leben völlig auf den Kopf stellt. An Kürbissen, die sie ausschabt, übt Joy, selbst (illegale) Abtreibungen vorzunehmen - so lange, bis jeder Millimeter ihrer Küche mit Pumpkin Pies zugestellt ist.

Ein halbes Jahr nach der Filmpremiere wurde das Grundsatzurteil "Roe vs. Wade" vom Supreme Court aufgehoben. Jetzt sieht man den Film anders: Ist er nicht in Summe etwas zu fröhlich geraten, verliert er sich zu sehr im 60er-Jahre-Kitsch? Allerdings konnte auch niemand ahnen, wie schnell sich Errungenschaften wieder in Luft auflösen können.