Ein Mädcheninternat in den 80er Jahren, im Umland von Wien. Dort regiert eine strenge Internats-Chefin (Maria Dragus), deren größtes Bestreben es ist, der Abkehr vom Glauben entgegenzuwirken. Das tut sie mit Strenge, mit Eifer, mit Verbissenheit. Die Wiener Regisseurin Ruth Mader hat dieses Setting für ihren neuen Film "Serviam - Ich will dienen" (derzeit im Kino) erwählt, mit dem sie heuer bereits beim Filmfestival in Locarno im Wettbewerb Premiere feierte und seither bei zahllosen Festivals gastiert hat, darunter in Sarajevo, Hamburg oder in Tokio. Im Zentrum steht nicht die Oberin des Internats, sondern ein kleines Mädchen, das gerne Gott dienen will. Martha (Sophia Gómez-Schreiber) ist zwölf Jahre alt, sie ist überzeugt davon, die Welt zu einem besseren Ort machen zu können, indem sie die Sünden der Welt sühnen wird. Die Schwester ermutigt Martha, indem sie ihr einen Bußgürtel leiht. Das Mädchen fügt sich damit aber schwere Wunden zu - und wird in einem leerstehenden Stockwerk der Schule versteckt. Eine Geschichte, die karg erzählt ist und dadurch besonders auf die Tragik dieser Figur hinweist.

Bewusste Zuspitzung

"Für mich ist diese Geschichte eine fiktionale Erzählung, die ich gemeinsam mit Martin Leidenfrost geschrieben habe. Wir beide sind katholisch erzogen, ich selbst bin in einem Internat gewesen, und obwohl die Ereignisse im Film völlig frei erfunden sind, haben wir beide beim Schreiben davon profitiert, zu wissen, wie sich das anfühlt, wenn man als Kind eine solche Erziehung bekommt", sagt Ruth Mader im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Filmemacherin, die für ihre Arbeiten "Life Guidance" oder "Struggle" bekannt ist, spitzt in "Serviam" bewusst zu: "Die Frage ist: Was, wenn da plötzlich jemand die Lehre vom Sinn des Leidens radikal lebt? Und was, wenn ein Kind aus Liebe zu Christus in den Tod zu gehen bereit ist?", fragt die Regisseurin, die "Serviam" vor allem deshalb in den 1980er Jahren angesiedelt hat, weil damals die Internate noch existiert haben, von denen sie erzählt. Inzwischen sind viele geschlossen, und die getrenntgeschlechtliche Erziehung wurde verboten. "Viele der Mädchen, die in dieses Internat gehen, tun das nicht freiwillig. Ihnen wird das Internat als Ausbildung verkauft, von den Eltern, sie werden dazu gezwungen, diese Ausbildung zu machen, denn mit zwölf Jahren ist man nicht so weit, das selbst beurteilen zu können", sagt Mader.

Extremismen

Ruth Mader reiste mit "Serviam" bereits rund um die Welt - bis nach Tokio. Verband Filmregie - © Verband Filmregie
Ruth Mader reiste mit "Serviam" bereits rund um die Welt - bis nach Tokio. Verband Filmregie - © Verband Filmregie

Die Folge ist eine Art Horrorfilm, oder zumindest ein Trip in die Extremismen der katholischen Kirche, mit dem Mader ihre Geschichte erzählt. Über Disziplin, Demut und Busse werden hier Menschen herangeformt, die zum Erdulden bereit sind. Das schließt jegliche Form des Missbrauchs mit ein. Fiktion ist das alles keine; Maders Geschichte könnte genauso gut von einer der zahllosen Enthüllungen über kirchliche Verfehlungen entwendet sein, die seit Jahrzehnten die Glaubwürdigkeit der Kirche beschädigen.

Dabei ist "Serviam" aber keine Anklage an sich, sondern propagiert durchaus die Idee des Glaubens, wie Ruth Mader erläutert: "Der Film ist ein Plädoyer für den Glauben. Die Kritik richtet sich an Teile der Organisation, etwa an die Form der Internatsleitung, die darauf erpicht ist, alles zu vertuschen. Dann gibt es die Leute, die das Katholische nur als eine Art Dekoration benutzen. Ich wollte aber auch zeigen, dass das Radikale am Glauben oftmals verstörend wirkt. Hier gibt es eine Nonne, die die Nachfolge Christi in kompromissloser Radikalität sucht - und dabei immer schuldiger wird", sagt Mader. Zugleich sei aber auch das Porträt der zwölfjährigen Martha Kern eines radikal ausgelegten Gottglaubens: "Dieses herzensgute Mädchen, das isoliert unter Lebenden dem Tod entgegensiecht, vertraut trotz ihrer Situation immer noch heiter auf Gott", sagt Mader. Ein Film, der letztlich den Sieg des Glaubens propagiert.