Der Cannes-Film "Les Amandiers" von Valeria Bruni Tedeschi, der zuletzt auch auf der Viennale zu sehen war, sorgt in Frankreich für Diskussionen. Nach Vorwürfen sexueller Gewalt gegen den 25-jährigen Hauptdarsteller und aufkommenden Jungstar Sofiane Bennacer wollen einige französische Kinos das Drama von Valeria Bruni Tedeschi, der Schwester der ehemaligen First Lady Carla Bruni-Sarkozy, nicht mehr zeigen.

Auch die César-Filmakademie hat vor wenigen Tagen die Nominierung Bennacers als "Entdeckung" zurückgezogen. Das Drama handelt von einer Gruppe junger Theaterschüler und ist an Bruni Tedeschis eigenes Leben angelehnt.

Bennacer weist Vorwürfe zurück

Die Vorwürfe gegen Bennacer wegen Vergewaltigung und körperlicher Gewalt waren vor wenigen Tagen öffentlich geworden. Der 25-Jährige wehrte sich gegen die Anschuldigungen. Er werde vielleicht durch das Kino boykottiert werden. Jedenfalls sei er in der Tiefe seiner Seele gedemütigt. Er werde in ein paar Monaten frei sein, weil er nichts getan habe, zitierten ihn unter anderem "Le Point" und "Le Nouvel Observateur".

Die Reaktion der Akademie und mancher Kinos hat in Frankreich die Debatte um die Unschuldsvermutung neu entfacht, wonach ein Angeklagter bis zum rechtskräftigen Beweis seiner Schuld als unschuldig zu gelten hat.

"Gerechtigkeit zufallsbedingt"

In die Kontroverse hat sich nun auch Carla Bruni-Sarkozy eingeschaltet, die auf Instagram unter anderem schrieb: "Ohne die Unschuldsvermutung ist jede Gerechtigkeit zufallsbedingt, umstritten und möglicherweise korrupt."

Wie die französischen Medien unter Bezug auf die Staatsanwältin von Mulhouse berichteten, sollen sich die Vorfälle zwischen 2018 und 2019 ereignet haben und ehemalige Partnerinnen des Schauspielers betreffen. (apa/har)