Ein Rotkreuzschiff läuft in einem schwedischen Hafen ein. Von Bord gehen Frauen, die aus einem deutschen Konzentrationslager gerettet wurden. Mit unterschiedlichen Emotionen blicken sie ihrer Zukunft entgegen. Eine Frau auf dem alten Schwarzweißfilm zieht den Filmemacher Magnus Gertten besonders in ihren Bann. Ihr Blick ist so tiefgründig und rätselhaft. Wer ist die Frau? Woran denkt sie? Sie heißt Nadine - und denkt vermutlich an Nelly, wie wir später erfahren.

"Nelly und Nadine" ist ein poetischer Dokumentarfilm über eine schicksalhafte Liebe, die lange im Verborgenen bleiben musste. Die Frauen lernten sich an einem düsteren Ort kennen - dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Die chinesische Diplomatentochter Nadine Hwang bat die französische Opernsängerin und Widerstandskämpferin Nelly Mousset-Vos: "Sing doch Madame Butterfly." Das Lied begründete eine große Liebe. Später finden die in den Wirren des Krieges getrennten Liebenden wieder zusammen und beginnen ein neues Leben in Venezuela. Dennoch dauerte es lange, bis ihre lesbische Liebe akzeptiert wurde.

Magnus Gerttens Dokumentarfilm ist der letzte Teil einer Trilogie. Ihm ist damit ein sensibles Porträt zweier außergewöhnlicher Frauen gelungen. Der Film geht mit dem Erinnern auf besondere Weise um: Tagebucheinträge werden mit filmischen Archivaufnahmen vermengt und verschiedene Erinnerungsdokumente immer mehr zu einem großen Ganzen collagiert. Gertten zeigt, dass Erinnern ein sehr introspektiver und persönlicher Prozess ist.