Dieser Film ist spannungsgeladen wie ein Thriller, sachlich wie eine TV-Dokumentation und emotional überschäumend wie ein Schicksalsdrama: Die Hollywood-Produktion "She Said" schildert die wahre Geschichte, wie es zwei Journalistinnen der "New York Times" 2017 gelang, den mächtigen Film-Magnaten Harvey Weinstein zahlreicher Sexualdelikte zu überführen.

Die Stars Carey Mulligan und Zoe Kazan spielen die "Times"-Reporterinnen Megan Twohey und Jodi Kantor, die es mit Hartnäckigkeit, journalistischem Geschick und einer großen Portion Mut schafften, eine zunächst unüberwindlich scheinende Mauer des Schweigens zu überwinden. Am 5. Oktober 2017 erschien der große "Times"-Bericht über die Anschuldigungen gegen Harvey Weinstein. Was danach geschah, ist bekannt. #MeToo entwickelte sich zur globalen Bewegung. Der einstige Studioboss Weinstein (Miramax; Weinstein Company) wurde wegen Vergewaltigung und anderer sexueller Attacken verurteilt. Er sitzt gegenwärtig eine 23-jährige Haftstrafe ab.

Der Film "She Said" nähert sich seinem Thema aus der Sicht der Journalistinnen und der Opfer. Als in der Redaktion der "New York Times" erste Gerüchte über Harvey Weinsteins Sex-Affären einlaufen, werden die Reporterinnen Twohey und Kantor auf den Fall angesetzt. Den Gossip mit Fakten zu unterlegen, scheint vorerst aussichtslos. Das Weinstein-Lager mauert, aber auch die betroffenen Frauen sind alles andere als gesprächsbereit. Aus Scham, aus Furcht vor unangenehmen Konsequenzen - und aus Skepsis über die Frage, ob Vergewaltigungsopfer bei Gerichtsverfahren fair behandelt werden.

Doch die Journalistinnen, gestählt durch zahlreiche Investigativ-Recherchen, geben nicht auf. Langsam gelingt es ihnen, erste belastbare Aussagen einzusammeln, wobei spürbar wird, welche seelischen Verwüstungen der Wüstling Weinstein angerichtet haben muss. Die Recherchen kulminieren in einem Auftritt von Hollywood-Star Ashley Judd, die ihre Bereitschaft erklärt, sich unter Namensnennung als Weinstein-Opfer zu outen. Ashley Judd spielt sich hier in einer ergreifenden Szene selbst.

"She Said" ist das US-Regiedebüt der deutschen Filmkünstlerin Maria Schrader. Die gelernte Schauspielerin hat mit der Stefan-Zweig-Biografie "Vor der Morgenröte" (mit Josef Hader) oder der Netflix-Miniserie "Unorthodox" längst bewiesen, wie gut sie das Inszenieren beherrscht. Mit "She Said" gelang ihr eine Meisterleistung.

Uneitle Herangehensweise

Schraders Stil ist zurückhaltend und engagiert zugleich; sie dreht auf vollendete Weise an den Stellschrauben für Spannung, Information und Emotion. In jeder Einstellung steht die Story im Vordergrund. Diese uneitle Herangehensweise lässt den Stern des Films und seines erlesenen Ensembles nur umso heller erstrahlen. Die Stars Carey Mulligan und Zoe Kazan sind würdige Nachfolgerinnen von Robert Redford und Dustin Hoffman, die einst als Reporter in "Die Unbestechlichen" den Watergate-Skandal aufklärten. Beide Filme sind große Plädoyers für die Bedeutung einer unabhängigen und freien Presse.

Harvey Weinstein kommt in "She Said" übrigens nur am Rande vor - weil er sich den Interview-Anfragen der "New York Times", die ihm Gelegenheit zur Stellungnahme geben wollte, weitgehend entzog. Eine Randbemerkung zu seiner Tätigkeit als Studioboss: In seinen Glanzzeiten sammelten Weinstein-Filme reihenweise Oscars ein; von "Shakespeare In Love" bis "Inglourious Basterds". Man darf gespannt sein, ob die Oscar Academy auch "She Said", das Drama über Weinsteins Fall, ausgiebig würdigen wird.