Es kommt nicht nur einmal vor, dass Emily Brontë (Emma Mackey) die Worte "Die Gedanken sind frei" skandiert, in diesem Biopic von Schauspielerin und Erstlingsregisseurin Frances O’Connor. Und es kommt auch vor, dass Brontë, die Schriftstellerin, auf Widerstand stößt: "Es ist etwas Gottloses in dem, was du schreibst", eröffnet ihr ihr Hauslehrer William Weightman (Oliver Jackson-Cohen), zu dem sie sich wahnsinnig hingezogen fühlt.

Die Geschichte von Emily und ihren Schwestern, allesamt Pfarrerstöchter im ländlichen Yorkshire, ist voll von Landschaftsgewalt und Rebellinnentum. Es tut der Verfilmung gut, dass hier der Alltag zur viktorianischen Zeit ganz intensiv erfüllt wird durch ein sehr spielfreudiges Ensemble, das mühelos die Perspektiven der Frauen von damals schildert. Die Flucht in Fantasiewelten und die harte Realität gesellschaftlicher Gepflogenheiten prallen stetig aufeinander. Der Akt des Schreibens selbst ist in "Emily" bloß eine Randerscheinung. Die Schöpfung von Literatur stellt Regisseurin O‘Connor zugunsten ihrer leidenschaftlichen Protagonistin hintan, und beschreibt somit mehr, wie es zu literarischen Eingebungen kam, anstatt zu schildern, wie sie zu Papier gebracht wurden.