Man kann sich einer Pop-Ikone wie Whitney Houston auf unterschiedliche Weise nähern, kann es mit Kitsch und Bombast versuchen oder mit künstlerischem Anspruch. Mit dem Fokus auf das Privatleben eines Stars oder mit der akribischen Aufarbeitung einer Karriere mit allen Höhen und Tiefen. "I Wanna Dance With Somebody" versucht, in allen möglichen dieser Richtungen dem Phänomen und der Ausnahmekünstlerin Whitney Houston gerecht zu werden, und scheitert letztlich daran, sich für keinen wirklichen Fokus zu entscheiden. Dabei macht Regisseurin Kasi Lemmons auf Basis des Drehbuchs von Anthony McCarten vieles richtig: Kein nur schmerzverzerrtes Drogen-Melodram mit dem Tod in der Badewanne, was das Leben von Whitney Houston ja eigentlich war. Kein himmelhochjauchzendes Beschwören der immergleichen Pop-Klischees - was das Leben von Whitney Houston halt eben auch war. Da einen Mittelweg zwischen den Extremen zu finden, sah Lemmons wohl als ihre Aufgabe. Leider geht sie dabei in allzu viele Richtungen, deren gemeinsamer Nenner aber schon Whitney Houston ist - es gibt fast keine Szene ohne sie, beziehungsweise ohne Naomi Ackie, die Houston auf ganz intensive Weise spielt, im Privaten wie auf der Bühne.

Drei Oktaven

Der Ablauf des Films ist für ein Bio-Pic klassisch: Mutter Cissy (Tamara Tunie) ist eine begabte Sängerin, aber über die Clubs der Umgebung kam ihre Karriere nie hinaus. Sie weiß aber, dass Tochter Whitney mit ihrer Stimme, die mühelos drei Oktaven umfasst, das Zeug zum Star hätte. Plattenfirmen-Boss Clive Davis (Stanley Tucci) schaut eines Tages im Club vorbei, und Cissy lässt Whitney einen Song singen, um ihn zu beeindrucken. Der Rest ist Musikgeschichte - Davis nimmt Houston unter Vertrag und produziert ab 1985 einen Hit nach dem anderen mit der jungen Sängerin. Mit sieben Nummer-1-Hits in Folge bricht sie sogar den Rekord der Beatles. Am Ende ihrer Karriere hat sie 200 Millionen Platten verkauft und ist mit über 400 Trophäen die meistausgezeichnete Sängerin aller Zeiten.

Charmant ist, wie sich die Beziehung zwischen Davis und Houston im Laufe des Films entwickelt; die professionelle Ebene weicht bald einer freundschaftlichen, und Tucci spielt den Plattenboss mit einer derartigen Ruhe und Gelassenheit, dass er sich dafür einen Oscar verdient hätte. Er ist tatsächlich der Ruhepol in einem Film, der alle Stationen im Leben von Whitney Houston abgrast, was ein bisschen wirkt wie eine Nummernrevue: Nirgends geht Lemmons wirklich in die Tiefe, viele Szenen wirken wie Stückwerk, das zuweilen ohne dramaturgische Wendepunkte zusammengesetzt erscheint. Gut möglich, dass der ohnehin schon 146 Minuten lange Film ursprünglich noch länger war und die Schere angesetzt wurde; leider ohne danach erneut an der Dramaturgie zu feilen. Das ist schade, doch dank des Charismas von Whitney-Darstellerin Naomi Ackie verzeiht man solche Unebenheiten.

Am genauesten wird "I Wanna Dance With Somebody", wenn es um Whitney Houstsons spannungsgeladene Beziehung und Ehe mit R&B-Sänger Bobby Brown (Ashton Sanders) geht. Er lebt dank ihres Geldes auf großem Fuß und steigt durch allerlei Betten. Damit nicht genug, bringt er dem vom Erfolgsdruck geplagten Superstar auch noch das Konsumieren harter Drogen bei, weshalb Whitney Houston 2012 - mit erst 48 - unter Drogeneinfluss in der Badewanne ertrank.

Durch den Film führen die Songs von Houston wie ein chronologischer Leitfaden, von "I Wanna Dance With Somebody" über ihren Auftritt mit der Nationalhymne beim Super Bowl 1991 bis hin zu ihrem berühmtesten Song "I Will Always Love You" aus dem Film "Bodyguard". Das ist dieser Film schon: ein Medley der überschwänglichen Gefühle, der tränenreichen Balladen, der exquisiten Gesangeskunst. Man hört Whitney Houston nach diesem Bio-Pic mit anderen Ohren.