"Acht Berge" ist ein stilles Film-Essay über die unerschütterliche Freundschaft zweier Männer. Dieses Thema mag angesichts des Regisseurs überraschen, denn in den Filmen von Felix Van Groeningen geht es sonst radikal melodramatisch zu. In "The Broken Circle" etwa zerbricht das Glück einer Familie an der Leukämie-Erkrankung der kleinen Tochter. In "Beautiful Boy" zerstört ein drogenabhängiger Student (Timothée Chalamet) nicht nur sich selbst, sondern auch die Lebensbasis seines Vaters (Steve Carell).

Doch diesmal, in "Acht Berge", zeigt der belgische Regie-Berserker Van Groeningen, dass er auch eine sanfte Seite besitzt. Fast alle dramatischen Momente wurden aus der Story über die Italiener Pietro und Bruno, die von Kindesbeinen an unzertrennlich sind, fein säuberlich entfernt. Der Höhepunkt an Action ist erreicht, wenn es Bruno schafft, bei einer Bergwanderung über eine Gletscherspalte zu springen, Pietro aber nicht. Garniert wird das Spiel mit Plattitüden: "Manchmal findet man seinen Platz im Leben dort, wo man ihn nie vermutet hätte." Ach ja.

Van Groeningen und seine Partnerin Charlotte Vandermeersch (Co-Regie, Co-Drehbuch) begleiten die Protagonisten vom Tag ihres Kennenlernens an. Das Stadtkind Pietro und der Landbub Bruno laufen einander in einem Nest in den Alpen über den Weg, wohin Pietro zwecks Sommerfrische verfrachtet wurde.

Später verfolgen der Stadt- und der Landmann höchst unterschiedliche Lebensentwürfe. Ihr Nahverhältnis bleibt. Luca Marinelli (Pietro) und Alessandro Borghi (Bruno) spielen sich die Seele aus dem Leib, um die Dialoge ihrer wortkargen Charaktere mit Leben zu füllen. Es geht um Vaterkonflikte, um Frauen und um die Liebe. Von der Regie wird alles stimmungsvoll, aber ein bissl fad in Szene gesetzt: Für einen packenden Kinofilm reicht das nicht.