156 Minuten Spielzeit. Wer sich auf die Musik-Doku "Ennio Morricone - Der Maestro" einlässt, braucht einen langen Atem. Doch wenn sich der Film zum Ende neigt, bedauert man, dass das Vergnügen schon wieder vorbei ist. Regisseur Giuseppe Tornatore schuf eine faszinierende Collage über Leben und Werk von Morricone - des Komponisten, der, wie es einmal heißt, "die Filmmusik überhaupt erst erfunden hat".

Wer wollte da widersprechen - angesichts unvergesslicher und unvergänglicher Soundtracks von "Spiel mir das Lied vom Tod" bis "Es war einmal in Amerika"? Regisseur Tornatore, der 1988 mit Morricone-Musik das Meisterwerk "Cinema Paradiso" drehte, lässt jede Menge an Prominenz zu Wort kommen, von Bruce Springsteen bis Quincy Jones, von Quentin Tarantino bis Clint Eastwood. Sein wichtigster Gesprächspartner ist aber der Maestro selbst. Ennio Morricone, der am 6. Juli 2020 im Alter von 91 Jahren starb, war bei den Aufnahmen zum Film noch topfit und in bester Plauderlaune.

So hört man witzige Anekdoten ("Mutter sagte, du musst schöne Melodien schreiben, wenn du berühmt werden willst") neben zahlreichen Reflexionen über seine Karriere ("Ich wollte nicht als Western-Komponist abgestempelt werden") und seine Einflüsse ("Ich bestehe aus all der alten Musik, die ich studiert habe"). Vor allem aber hört man die unfassbar betörende Musik des Römers, der im Lauf der Jahrzehnte mehr als 500 Film-Soundtracks schrieb, sich jedoch gleichwohl stets als experimenteller Musiker verstand. Großartig.