Ein bisschen Bond ist schon geblieben. Das ist zumindest in Hinblick auf den Widersacher zu sehen, gegen den Daniel Craig in "Knives Out 2: Glass Onion" (neu auf Netflix) antritt: Der Milliardär Miles Bron (Edward Norton) ist der perfekte Bond-Bösewicht, nicht nur, weil er auf seiner eigenen griechischen Insel einen Palast mit einer Glaskuppel epochalen Ausmaßes in Form einer Zwiebel errichtet hat, sondern auch gleich die Welt neu erfinden will; und Daniel Craig soll ihn zur Strecke bringen. Oder?

Ganz klar ist das nicht, wenn man vom Setting ausgeht. Dieser Miles Bron lädt nämlich seine alten Freunde, die Unternehmerin Andi Brand (Janelle Monáe), die Politikerin Claire Debella (Kathryn Hahn), den Wissenschaftler Lionel Toussaint (Leslie Odom Jr.), die Modedesignerin Birdie Jay (Kate Hudson) und deren Assistentin Peg (Jessica Henwick) sowie den YouTube-Star Duke Cody (Dave Bautista) und dessen Freundin Whiskey (Madelyn Cline) auf seine Insel ein, um mit ihnen dort ein Murder-Mystery-Spiel zu spielen. Die Teilnehmer sollen den fiktiven Mord an Bron miterleben und dann den Mörder suchen. Das ist ein beliebtes Spiel für Luxus-Diners der anderen Art. Doch diesmal ist auch Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) mit von der Partie, und natürlich passiert dann kein gespielter Mord, sondern ein echter - mehr sollte man inhaltlich nicht verraten, um den ganzen Spaß nicht zu beeinträchtigen.

Jedoch kann man schon über ein paar launige Details sprechen: Der Milliardär ist so mächtig, dass er es sogar geschafft hat, für das Wochenende seines Krimispiels vom Louvre in Paris die Mona Lisa (!) als Leihgabe zu erhalten - die dann freilich in dieser Angelegenheit nichts zu lachen hat. Außerdem thematisiert der Film die Pandemie und ist nicht nur deshalb auch eine bissige Gesellschaftssatire, wie schon der Vorgänger "Knives Out" aus dem Jahr 2019. Schon damals schrieb und inszenierte "Star Wars: Die letzten Jedi"-Regisseur Rian Johnson den Film, der so erfolgreich lief (335 Millionen Einspielergebnis bei 40 Millionen Dollar Kosten), dass diesmal Netflix zuschlug und Johnson für gleich zwei Fortsetzungen engagierte. Voilà, die erste davon ist jetzt direkt auf Netflix erschienen, nur in Deutschland machte der Film einen kurzen Halt im Kino, nachdem er im September beim Filmfestival in Toronto uraufgeführt worden war.

Johnson verlässt das Rezept des ersten Films nicht, auch, wenn hier das Setting durchaus exaltierter ist. Es geht um den etwas knautschigen, manchmal dusseligen, immer aber scharfsinnigen Detektiv, der durchaus den Mut zu schrillen Outfits hat, insgesamt aber sehr retro wirkt in seinem Habitus. Charmant, dass der Tech-Milliardär Miles Bron dieses Altmodische teilt: Er empfängt seine Nachrichten nicht am Handy oder am PC, sondern ausschließlich per Fax.

Hercule Poirot und Columbo in Personalunion

Schon Bond und seine Widersacher hatten immer auch Gemeinsamkeiten, das macht einen guten Krimi aus. Täter und Opfer können theoretisch auch vertauscht werden, zumindest in ihrer Denkweise. Das Gute an diesem Benoit Blanc ist, dass sein Scharfsinn immer die richtige Entscheidung trifft. Die Figur hat Potenzial für weitere Filme: Er ist der klassische Ermittler im Stile von Agatha Christies Hercule Poirot und Miss Marple, zugleich aber trägt er auch Züge von Peter Falks "Columbo" und auch James Bond kann man ihm nicht absprechen, zumindest, solange Craig diese Rolle spielt.

Auch, wenn "Knives Out 2: Glass Onion" ein bisschen braucht, um in die Gänge zu kommen - der Film erfordert vor allem in der ersten Hälfte aufgrund der komplizierten Exposition die Aufmerksamkeit der Zuschauer - so ist er ab der Mitte doch ein gewitztes Stück Detektiv-Kino mit Whodunnit-Charme und ziemlich bunt gezeichneten Charakteren. Am Ende ist das Rätsel doch nicht so groß, wie man es sich vielleicht erhofft hätte. Aber Agatha Christie hätte sicher gerne zugeschaut.