Puppen in Filmen sind immer unheimlich. Zumindest seit der "Chucky"-Horrorfilm-Reihe, in der ein Serienmörder einer Kinderpuppe seine Seele einhauchte und sieben Filme lang Menschen dahinschlachtete. 2023 heißt die mörderische Puppe nicht mehr Chucky, sondern M3gan (Model 3 Generative Android), und sie ist ein Roboter mit künstlicher Intelligenz. Eine hübsche Maschine sogar, aber diese Augen und diese quietschenden Geräusche!

M3gan (Amie Donald) wird von Gemma (Allison Williams) konstruiert, eine geniale KI-Entwicklerin, die ihre Nichte Cady (Violet McGraw) nach dem tödlichen Autounfall ihrer Eltern bei sich aufnimmt. Doch Gemma fehlen die mütterlichen Instinkte, die Berufung des Singles ist ausschließlich ihr Job, aufgrund dessen sie auch schon einmal Cady vergisst und bis in die Nacht hinein an einem neuen Projekt arbeitet. Gemma glaubt, dass ihr M3gan als Freundin in dieser schweren Zeit beistehen kann, und programmiert sie so, dass sie Cady vor gesundheitlichen und äußeren Gefahren schützen soll. Nun, man ahnt schon, was kommen wird. Vor allem, wenn es dann auch noch zwischen Gemma und ihren Mitarbeitern heißt, M3gan lerne stetig dazu. Doch vorerst beeindruckt die visionäre Technik Investoren und Gemmas Boss (Ronny Chieng). Doch zu spät wird erkannt, welche Fähigkeiten sich M3gan aneignet, um den von ihr selbst falsch verstandenen Beschützerinstinkt durchzusetzen.

Klischee muss sein

Allein als Horrorfilm kann man "M3gan" nicht bezeichnen. Stellenweise hat man das Gefühl, der kurzweilige, unblutige Film nimmt sich selbst nicht ernst oder will auch nicht ernst genommen werden: So werden etwa schwarzhumorige Momente mit einem schrägen Soundtrack unterlegt, der von David Guettas "Titanium" bis zu Martikas "Toy Soldiers" reicht. Und wenn M3gan tanzend mit Bodyrolls sowie radschlagend hinter jemanden her ist, kann man sich ein Grinsen nicht verbeißen. Auch wenn man weiß, was sie mit der Klinge in der Hand vorhat. Auch die Doppelmoral bei der Erziehung von Kindern mithilfe dieses intelligenten Babysitters, der laut Gemmas Boss in Produktion gehen soll, lässt schmunzeln, wenn es etwa um das Essen von Gemüse geht.

Einige Klischees der Horrorfilme müssen natürlich auch sein: Plötzlich jagt M3gan auf allen vieren einem Buben hinterher und zieht ihm letztlich das Ohr so richtig lang, was wiederum komisch wird. Oder sie steht über einen Rückwärtsbogen auf. Das absolute Muss in jedem Horrorfilm. Auch entwickelt sie eine Hulk-Kraft, um ihre Gräueltaten zu vollenden. Woher diese bei dem kindsgroßen Roboter wohl kommen mag? Das ist wohl für diesen Film unwichtig.

Dennoch ist M3gan der Höhepunkt des Films. Amie Donald in dieser Rolle ist schlichtweg großartig: Die kleinen Bewegungen ihrer Mimik und auch die Körperkontrolle, um überhaupt einen Roboter glaubhaft zu machen, sowie die Robo-Dancemoves der Zwölfjährigen aus Neuseeland beeindrucken und gehen in den sozialen Medien berechtigterweise viral.

"M3gan" von "Housebound"-Regisseur Gerard Johnstone und James Wan (Drehbuch, Produzent) darf man nicht als 08/15-Horrorfilm verkennen, sondern eher als Horror-Satire mit komödiantischem Touch, die doch sehr an die "Black Mirror"-Episoden erinnert.