Ein Trio von herausragenden italienischen Filmemachern, die jeweils auf ihre Weise ein kritisches zeitgenössisches Kinos verwirklichten und einander zudem freundschaftlich und künstlerisch verbunden waren, steht im Zentrum der ersten Retrospektive, die das Österreichische Filmmuseum in der Wiener Albertina 2023 ausrichtet: Gemein ist Pier Paolo Pasolini (1922 bis 1975), Mauro Bolognini (1922 bis 2001) und Carlo Lizzani (1922 bis 2013) auch ihr Geburtsjahr: Alle kamen 1922 zur Welt, das Filmmuseum spricht daher von einer Würdigung dreier "Hundertjähriger".

Pasolini war als Poet und Autor bereits ein Star der italienischen Nachkriegskultur, als er mit "Accatone" (1961) sein Regiedebüt vorlegte. Im Filmmuseum läuft eine Gesamtschau seines Werks bis zu seinem letzten Film "Salò o le 120 giornate di Sodoma" (1975), der erst nach seiner Ermordung erschien. Bolognini war es, der Pasolinis Filmkarriere erst ermöglichte; er war sein Mentor, setzte ihn bei eigenen Produktionen als Drehbuchautor ein und ebnete ihm den Weg zu "Accatone". Bologninis eigene Arbeiten waren große italienische Filme wie "La viaccia" (1961) mit Claudia Cardinale und Jean-Paul Belmondo oder "Per le antiche scale" (1975) mit Marcello Mastroianni, mit denen er stets Stammgast in Cannes oder Locarno war. Lizzani galt als Wegbereiter des italienischen Neorealismus, zunächst als Kritiker, später als Regisseur von historischen Stoffen in neorealistischem Stil, darunter "Achtung! Banditi!" (1951) mit der noch unbekannten Gina Lollobrigida und "Cronache di poveri amanti" (1954) mit dem jungen Mastroianni auf dem Weg zum Weltstar.