Während US-Schauspieler Kevin Spacey sich in Großbritannien im Fall sieben weiterer Missbrauchsvorwürfe verantworten muss, soll er von Italiens Nationalem Filmmuseum einen Preis für sein Lebenswerk erhalten. Am Freitag plädierte er, per Video zugeschaltet, bei der Verhandlung in London auf nicht schuldig. Am selben Tag ist er in Turin eingetroffen, wo ihm die Auszeichnung übergeben wird. Die geplante Ehrung löste heftige Diskussionen aus.

Eine Woche lang verbringt Spacey in Turin und nimmt an einer Masterclass im Auditorium des Filmmuseums teil. Am Montag präsentiert der 63-Jährige den Film "American Beauty" von Regisseur Sam Mendes. Für seine Rolle in der Produktion von 1999 hat Spacey einen Oscar gewonnen. Mit Museumsdirektor Domenico De Gaetano spricht Spacey über seine Karriere und über die Filme, in denen er mitwirkte. In diesem Zusammenhang soll er den Filmpreis "Stella della Mole" entgegennehmen.

Im Anschluss daran wird im Cinema Massimo ein Film aus Spaceys Karriere gezeigt werden, den der Schauspieler selbst auswählen und vorstellen darf. "Wir fühlen uns geehrt, dass ein so angesehener Gast wie Kevin Spacey Turin und einen institutionellen Ort wie unser Museum für diese willkommene und lang erwartete Rückkehr gewählt hat", meinte der Präsident des Nationalen Filmmuseums, Enzo Ghigo.

Im vergangenen Jahr ist Spacey in Turin vor die Kamera zurückgekehrt. Er spielt im Film "L'uomo Che Disegnò Dio" ("Der Mann, der Gott zeichnete") die Hauptrolle eines Kriminalbeamten. Während der Dreharbeiten besuchte Spacey das Museum, so begann die Zusammenarbeit.

Die Auszeichnung hat bei Verbänden, die sich in Italien gegen Diskriminierung und Missbrauch einsetzen, Kritik ausgelöst. "Missbrauchsopfer haben nie die selbe Möglichkeit, in der Öffentlichkeit zu sprechen, wie angeklagte Prominente. Ich kann zwar nicht sagen, ob Spacey für Missbrauch verantwortlich ist oder nicht. Da er aber angeklagt worden ist, dürfte man ihm keinen Preis verleihen", betonte Gigi Malaroda, Sprecher des Verbands Maurice.

Der Star der TV-Serie "House of Cards" ist in London angeklagt, einen Mann in insgesamt sieben Fällen sexuell belästigt und gegen dessen Willen in sexuelle Handlungen verwickelt zu haben. Im Zusammenhang mit älteren Vorwürfen ist ein Prozess mit Beginn am 6. Juni angesetzt. (apa)