Seine größte Sorge sei ein Virus, sind die ersten Worte, die von einem Wissenschaftler in einer Talkshow zu hören sind. Das Jahr ist 1968, das Podium diskutiert tödliche Gefahren für die Menschheit. Fast ist man zu einem Schmunzeln bewegt, als der zweite Forscher einhakt. Viren haben uns schon immer begleitet. Was aber sei mit Fungi, mit Pilzen, die sich irgendwann an den menschlichen Organismus anpassen könnten. Das seien Dinge, "die uns nicht töten, sondern kontrollieren wollen".

Weltuntergang ohne Covid

Diese Eröffnungsszene stellt kein Weiterspinnen der Covid-19-Pandemie dar, sondern ist der Auftakt für das apokalyptische Szenario in "The Last of Us". Die HBO-Serie, die am 16. Jänner auf Sky startet, basiert auf dem 2013 erschienen Videospiel von Neil Druckmann, welches als eines der besten Videospiele aller Zeiten gilt.

Das Zepter bei der Adaption hat Craig Mazin übernommen, der Weltuntergangsszenarien schon sehr beeindruckend und mehrfach ausgezeichnet in der Serie "Chernobyl" (2019) umgesetzt hatte. Der Druck, einen Hit zu produzieren war somit hoch. Vor allem, da Videospiel-Adaptionen bisher eher durchwachsene Resultate geliefert hatten. Doch Mazin und Druckmann haben diesem standgehalten und bieten mit "The Last of Us" ein außergewöhnliches dichtes Drama, das die perfekte Balance zwischen den obligatorischen Ballerszenen und den kleineren menschlichen Tönen findet.

Pedro Pascal ist nach "The Mandalorian" erneut als Ersatzdaddy zu sehen. Er ist der Schmuggler Joel, der die junge Ellie ("Games of Thrones"-Entdeckung Bella Ramsey) quer durch die USA zu der Widerstandsgruppe "Fireflies" transportieren muss. Diese glauben, dass Ellies Immunität gegen den Erreger, eine mutierte Version des Fungus Cordyceps, eine Heilung schaffen könnte. Dieser verwandelt Menschen bei Infektion in zombieartige Wesen. Doch nicht nur die Infizierten, auch Agenten der zu einem Polizeistaat mutierten USA sowie Menschenhändler stellen ein Risiko für das Duo dar. Dazwischen kehrt die Serie vom Jahr 2023 immer wieder ins Jahr des Ausbruchs, 2003, zurück. Sie zeigt das Chaos, Joels Tochter Sarah (Nico Parker), die beim Ausbruch starb, oder seinen Bruder Tommy (Gabriel Luna), ebenfalls ein Überlebender, mit dem er sich später zerstritt. Diesen möchte Joel auf seiner Reise mit Ellie finden, wodurch er zunächst nicht ganz selbstlos als ihr Beschützer agiert.

Optisch eindrucksvoll

"The Last of Us" mag das Genre der Post-Apokalypse nicht neu erfinden. Dafür folgt die Serie zu vielen altbekannten Regeln. Ob das nun das obligatorische Trauma ist, dass eine nahestehende Person sich infiziert hat, oder die kleinen isolierten Gemeinschaften, die sich retten konnten, bis hin zu der einen Person, die sich opfert, als die Infizierten aus dem Nichts heraus attackieren. Dennoch erhebt sie sich aus dieser Masse an Déjà-vus, um ihre eigene Identität zu schaffen.

Mazin und Druckmann nähern sich dem Quellmaterial respektvoll, fügen aber auch immer wieder Änderungen ein. So lernen die Zuschauer in der Folge über Billy (Nick Offerman) und Frank (Murray Bartlett) Letzteren besser kennen, obwohl dieser im ersten Spiel nur als Leiche auftauchte. Die Jäger in Kansas City bekommen durch Melanie Lynskeys Anführerin Kathleen ein Gesicht und eine Hintergrundgeschichte.

Diese Konzentration auf das menschliche Element verleiht der Serie Tiefe und bietet das Gegenstück zu den ebenso eindrucksvollen Bodyhorrormomenten der Infizierten, sowie den schussfreudigen Konfrontationen.

Und optisch eindrucksvoll ist die Serie. Abgesehen von den offensichtlichen CGI-Sequenzen verfallener US-Städte bietet sie detailverliebt gestaltete Sets, in denen die Natur ebenso wütet wie die alles überziehenden vergilbten Arme abgestorbener Cordyceps-Ausbrüche.

Doch der Kern der Sache ist und bleibt die Menschlichkeit. Der Optimismus, dass neben all dem Grauen auch etwas Gutes weiterlebt. Die Furcht um das Wohlergehen des anderen. So ist die Vater-Tochter-Beziehung, die sich zwischen dem bitteren Joel und der lebhaften Ellie, die keine Welt außerhalb der Pandemie kennt, entwickelt, ein angenehmer Bruch mit den sonst eher grundpessimistischen Apokalypsen. Sie macht "The Last of Us" infektiös unterhaltsam, auch ganz ohne Cordyceps.