Eigentlich könnte ein Film von David O. Russell ein echtes Ereignis sein, so wie seine viel gepriesenen Arbeiten "Silver Linings" oder "American Hustle". Doch manchmal übernimmt sich auch ein versierter Meister der filmischen Konstruktion, wie Russell mit seinem aktuellen Film "Amsterdam" zeigt, der nun neu im Programm von Disney+ zu sehen ist.

Alles beginnt mit einem Mord. Eine junge Frau wird auf einer Straße im New York der 1930er Jahre in den Gegenverkehr gestoßen, gerade als sie ein entscheidendes Teil des komplexen Verwirrspiels entschlüsselt, das der Film zu bieten hat. Dann findet eine mutmaßliche Vergiftung des Vaters der Frau statt, der einst Kommandant von Burt, einem Arzt (Christian Bale, irrlichternd), und Harold (John David Washington, träge), einem Anwalt, gewesen ist.

Eine Rückblende in den Ersten Weltkrieg zeigt Burt und Harold in Gesellschaft der Krankenschwester Valerie (Margot Robbie) in einem Lazarett - eine Begegnung, die aus dem Trio eingeschworene Freunde fürs Leben macht. Weil sie unzertrennlich werden, kommen sie auch alle gemeinsam unter Mordverdacht, als sie den Mord an der jungen Frau in New York beobachten. Es jagen sie in Folge: Die echten Killer, die keine Mitwisser wollen. Und die Polizei, die sie als Täter ausgemacht haben. Dazu gesellt sich noch die Entdeckung eines Geheimnisses, das die Geschichte Amerikas für immer verändern könnte. Ein Ringelspiel der Ereignisse, die diesen Film auf dramatische Hochtouren bringt.

David O. Russell erzählt eine Verschwörung, springt aber auch in der Geschichte hin und her, was es dem Publikum immens schwer macht, den verschiedenen Handlungssträngen und Ereignissen zu folgen. Die Geschichte rotiert zwischen ihrer komplexen Erzählweise und der doch dann einfältigen Figurenzeichnung. Die Figuren sind immerhin überaus prominent besetzt, mit weiteren Rollen für Rami Malek, Anya Taylor-Joy, Chris Rock, Michael Shannon, Mike Myers, Timothy Olyphant und Robert De Niro. Mehr Stars verheizen geht eigentlich nicht.

Schöne Staffage

Christian Bale ist hier - wie auch im soeben bei Netflix gestarteten Crime-Thriller "Der denkwürdige Fall des Mr. Poe" - eine schöne Staffage in einem seelenlosen, viel zu komplizierten Film, dem es an jeglicher konsumierbaren Struktur fehlt. Aber die Ausstattung, die ist richtig gut: Man bereist das New York der 1930er Jahre, aber auch das Amsterdam gut zehn Jahre davor in sehr überzeugenden Bildern. Bilder allein genügen aber nicht für ein Filmspektakel. Dazu braucht es vor allem Rhythmus, Fokus und Stringenz.

All das gibt es hier leider nur in homöopathischen Dosen. Russells nervöse Montage vergeudet ein hochkarätiges Ensemble und zeigt, dass auch die Anstrengungen eines Filmvirtuosen manchmal anstrengend sein können.