Peinliche Fragen am Roten Teppich bleiben Marie Kreutzer und ihrem Team am 12. März erspart. Denn der Film, der durch den Skandal um Florian Teichtmeister eine, euphemistisch formuliert, unerfreuliche Konnotation erhalten hat, wurde nicht in die Nominiertenliste für den Oscar für den besten internationalen Film aufgenommen. Ein anderer deutschsprachiger Film wiederum kann neben einer Nominierung in dieser Kategorie noch eine Menge andere aufweisen. Die Netflix-Produktion "Im Westen nichts Neues" - mit dem Wiener Felix Kammerer - hat es sogar in die Königsdisziplin "Bester Film" geschafft. Insgesamt hat der Erste-Weltkriegs-Film nach Erich Maria Remarque neun Nominierungen erhalten. Das wird getoppt von "Everything Everywhere All At Once" mit elf Nominierungen. Das Kungfu-Science-Fiction-Abenteuer über eine chinesische Einwanderin mit Steuerproblemen kann ebenfalls den Oscar für den besten Film erringen so wie auch das Biopic "Elvis", die Tragikomödie "The Banshees of Inisherin", das Spektakel "Avatar: The Way of Water", die Flieger-Fortsetzung "Top Gun Maverick", Steven Spielbergs Familienerinnerung "The Fabelmans", das Dirigentinnenporträt "Tár" sowie "Triangle of Sadness" und "Women Talking", auf Deutsch "Die Aussprache".

Vier aus einem Film

Für die beste Regie könnten Martin McDonagh für "Banshees of Inisherin", Daniel Kwan und Daniel Scheinert für "Everything Everywhere All At Once", Steven Spielberg für "The Fabelmans", Todd Field für "Tàr" und Ruben Östlund für "Triangle of Sadness" ausgezeichnet werden. Die meisten Schauspieler-Nominierungen sahnten "Everything Everywhere All At Once" (Michelle Yeoh Hauptdarstellerin, Jamie Lee Curtis und Stephanie Hsu Nebendarstellerin) und "The Banshees of Inisherin" ab (Kerry Condon, Brendan Gleeson, Barry Keoghan Nebendarsteller/in, Colin Farrell Hauptdarsteller) ab. Als Nebendarstellerin können sich auch Angela Bassett ("Black Panther: Wakanda Forever") und Hong Chau ("The Whale") Hoffnungen machen, bei den männlichen Kollegen Brian Tyree Henry ("Causeway") und Judd Hirsch ("The Fabelmans"). Nominiert als beste Hauptdarsteller sind weiters Bill Nighy ("Living"), Paul Mescal ("Aftersun"), Brendan Fraser ("The Whale") und Austin Butler ("Elvis"), als Hauptdarstellerinnen Cate Blanchett ("Tàr"), Ana de Armas ("Blond"), Andrea Riseborough ("To Leslie") und Michelle Williams ("The Fabelmans").

Um den Preis für das beste Originaldrehbuch rittern "The Banshees of Inisherin", "Everything Everywhere All At Once", The Fabelmans, "Tár" und "Triangle of Sadness", beim adaptierten Drehbuch gehen "Im Westen nichts Neues", "Glass Onion: A Knives Out Mystery", "Living", "Top Gun: Maverick" und "Women Talking" ins Rennen.

Als bester animierter Langfilm sind "Guillermo del Toros Pinocchio", "Marcel The Shell with Shoes On" (über eine Muschel, die eine Fluse als Haustier hält), "Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch", "Das Seeungeheuer" (von Netflix) und Pixars Pubertätsallegorie "Rot" nominiert.

Die Oscars werden in der Nacht vom 12. März in Los Angeles vergeben. Moderieren wird heuer der Late-Night-Talker Jimmy Kimmel.

Diejenigen internationalen Filme, die neben "Im Westen nichts Neues" hoffen können, stammen aus Argentinien ("Argentina, 1985"), Belgien ("Close"), Irland (The Quiet Girl") und Polen "Eo". Letzterer über einen Esel wird dafür sorgen, dass die Grautiere einen fixen Platz im Scherzkanon des Abends haben werden - denn auch im vielfach nominierten "The Banshees of Inisherin" spielt eine Eselin - Jenny - ihre Partner an die Wand. Bleibt nur zu hoffen, dass dann nicht wieder Watschen ausgeteilt werden. (cb)