In Cannes gewann "Close" den Preis der Jury, ins Oscar-Rennen zieht er mit Chancen in der Kategorie "Bester internationaler Film". Im Zentrum von Lukas Dhonts Erzählung stehen die beiden 13-jährigen Buben Leo (Eden Dambrine) und Remi (Gustav De Waele). Sie tragen ihre innige Freundschaft so stark nach außen, dass sie dafür in ihrer Schule angefeindet werden. Ihre Zuneigung zueinander ist unschuldig, aber auch ungewöhnlich intensiv. Tatsächlich kommt es bald zu einer Entgleisung dieser Freundschaft: Remi versteht nicht, weshalb Leo sich von ihm plötzlich abwendet, zugleich liegen die Gründe auf der Hand: Für ihr inniges Verhalten werden die Buben an ihrer Schule gehänselt, gemobbt. Für Remi ist der Bruch mit seinem Freund die maximale Katastrophe: Es ist für ihn, als ob die Sonne nie mehr aufgehen wird.

Die ersten 45 Minuten ist "Close" ein intensives Drama der Sonderklasse, bravourös gespielt und mit großer Innigkeit zu den Figuren inszeniert. Dann reißt der belgische Regisseur Dhont das Ruder um 180 Grad herum und erzählt von einem Vorfall, der den Film in eine völlig andere Richtung bewegt. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Jedenfalls: ein Drama epischen Ausmaßes.