Auf den Stufen zum Palais des Festival de Cannes wird schon mal der rote Teppich ausgerollt. Foto: corbis
Auf den Stufen zum Palais des Festival de Cannes wird schon mal der rote Teppich ausgerollt. Foto: corbis

Cannes ist eine Schau der hohen Filmkunst - aber eben nicht nur. Glamour und Blitzlichtgewitter sind an der Côte d’Azur während der Filmfestspiele nicht wegzudenken, sie sind die Haupteinnahmequelle für die Region. Die Gastronomen frohlocken angesichts des zu erwartenden Besucheransturms, die Speisekarten werden neu gedruckt, die einfachste Pizza ist unter 12 Euro nicht mehr zu haben. Mittelklasse-Menüs in einfachen Straßenrestaurants kommen auf bis zu 50 Euro, die Preise in den Nobelrestaurants sind den Autoren dieser Zeilen selbstredend unbekannt.

Vor allem aber haben die Vermieter von Apartments und die Hoteliers ihre Preise kräftig nach oben geschraubt. Ein reguläres 40-Euro-Hotelzimmer kostet während des Festivals locker 200 die Nacht, bei Ferienwohnungen sind bis zu 8000 Euro für zehn Tage Standard. Wer einen Pool mit Meerblick braucht, der darf auch 14.000 Euro und mehr ausgeben.

Cash Cow Cannes

Das einstige kleine Fischerdorf Cannes wurde durch die Filmfestspiele zu einer fixen Größe an der Côte d’Azur, ist aber unterm Jahr mit seinen rund 70.000 Einwohnern nicht mehr als eine beschauliche Urlaubsmeile für Rentner.

Doch während der zwölf Tage des Festivals schwillt die Bevölkerung auf bis zu 220.000 Menschen an. Neben den unzähligen Schaulustigen, die allabendlich den roten Teppich vor dem "Palais des Festivals" säumen, kommen allein 4000 Journalisten jedes Jahr, und am zeitgleich stattfindenden Filmmarkt, dem "Marché du Film", tummeln sich Tausende Filmhändler, Verleiher, Produzenten und TV-Macher. Diese Filmmesse am Rande des glamourösen Festivals ist zur Cash Cow geworden, hier werden Deals gemacht, Rechte gehandelt und Filme verkauft, bevor sie gedreht sind.

Einen Film bei diesem A-Festival der Filmkunst vor der versammelten Weltpresse zu präsentieren, hat einen unbezahlbaren Werbeeffekt - die Bilder von der Croisette gehen um die Welt. Deshalb nutzt auch Hollywood Cannes gerne als Launch-Plattform für seine Sommerblockbuster: Diesmal werden unter anderem der vierte Teil der "Fluch der Karibik"-Reihe sowie Woody Allens "Midnight in Paris" oder Jodie Fosters "The Beaver" mit gewohnt großem Getöse präsentiert.

Große Namen, gute Filme

"Uns wird jedes Jahr der Vorwurf gemacht, dass wir immer die gleichen Namen einladen. Aber große Filmemacher machen eben auch gute Filme. Und dazu stehen wir", verteidigte der künstlerische Leiter Thierry Frémaux den besonders hochkarätig besetzten Wettbewerb bei der diesjährigen Programmpräsentation. Nach drei Jahren Krise befindet sich das Filmgeschäft nun wieder im Aufwind: Viele lang erwartete Produktionen, die aufgrund von Autorenstreiks und Bankenkollaps nicht termingerecht fertiggestellt werden konnten und bei anderen Festivals (wie bis ins vergangene Jahr in Venedig oder auch heuer in Berlin) durch ihre Absenz ein extrem schwaches Wettbewerbsprogramm verursachten, feiern nun gesammelte Premiere in Cannes. Mit 12 von 20 ausgewählten Filmen liegt der Schwerpunkt eindeutig auf Europa. Der einzige amerikanische Beitrag ist "The Tree of Life" von Terrence Malick mit der Starbesetzung Brad Pitt und Sean Penn. Neben Pedro Almodóvar oder Jean-Pierre und Luc Dardenne sind die neuen Arbeiten von Lars von Trier und Paolo Sorrentino zu sehen. Dabei scheinen Figuren in starken persönlichen Krisen ein dominierendes Thema zu sein.