Peter Handke als Filmer und Gefilmter: Unser Foto zeigt den Autor (r.) bei Dreharbeiten zu einem Porträt mit dem Regisseur Georg Stefan Troller (l.) und dem Kameramann Carl F. Hutterer aus den 1970er-Jahren. Foto: Filmarchiv
Peter Handke als Filmer und Gefilmter: Unser Foto zeigt den Autor (r.) bei Dreharbeiten zu einem Porträt mit dem Regisseur Georg Stefan Troller (l.) und dem Kameramann Carl F. Hutterer aus den 1970er-Jahren. Foto: Filmarchiv

Zwei geniale Persönlichkeiten, der eine ein Meister subtiler und anspruchsvoller Streifen mit sozialkritischen Inhalten, trifft auf sein literarisches Pendant Peter Handke, deren erstes gemeinsames Werk, "Drei amerikanische LP´s", den Betrachter in die unendlich scheinenden Weiten amerikanischer Landschaften führt und dabei seine persönlichen Fantasien mobilisiert.

Dieser ersten, höchst erfolgreichen Zusammenarbeit beider Künstler im Jahr 1969 gebührt auch deshalb Hochachtung, weil der Drehort nicht wirklich in der Neuen Welt gelegen war, sondern in der bayerischen Metropole München. Auch die Darstellung des Bauarbeiters und Fußballers Josef Bloch in der Erzählung "Die Angst des Tormannes vor dem Elfmeter," der nach dem Mord an einer Kinokassiererin nur peripher realisiert, dass er von den Behörden gesucht wird, setzt Wim Wenders 1972 in einem von scharfen Konturen geprägten Film um.

Ein Regisseur mit


zwei Schaffensperioden

Der Filmhistoriker Thomas Ballhausen teilt die Schaffensperioden des Regisseurs in zwei Phasen. "Die Schöpfungen bis 1987 zeichnen sich durch den entdeckenden Blick aus, bei denen zwar die Handlung ihren Wertmaßstab besitzt, aber nicht dominant ist. Diese Art von Kino lässt dem Publikum viel Zeit, sich daran zu beteiligen", definiert Ballhausen.

Die späteren, nach 1987 entstandenen Filme lassen einen veränderten Erzählstil erkennen, bei dem Wenders allerdings seinem Raumbegriff treu blieb.

Ein markantes Beispiel dafür ist das im Jahr 2000 entstandene Werk "Million Dollar Hotel": "Die Räumlichkeit hat bei dem Film einen maßgeblichen Stellenwert: Was tut dieser geographische Ort, welche sozialen Räume werden daraus extrahiert, das ist natürlich von Bedeutung. Ein Argument für die Aufarbeitung und Präsentation liegt im Kontext zu Peter Handke, der wesentlich in dieses Spannungsverhältnis eingebunden ist", analysiert Ballhausen.

Mit der Ausformung des gleichen poetischen Programms, bei dem in erster Linie die Wirkung des Blickes sensibilisiert wird, ergänzen sich der Dichter Peter Handke und der Regisseur Wim Wenders. "Die Musik ist für beide ein starkes Referenzsystem, so wie es auch die Erfahrungen mit dem Raum sind", sagt Ballhausen.

Sowohl Handke als auch Wenders verbindet der Wunsch, dem Publikum eine intensive Wahrnehmungserfahrung abseits jeglicher Abstraktion zu bieten.

Bewusstsein für das Medium des Partners


Beide Persönlichkeiten haben ein Bewusstsein entwickelt, wie das gewählte Medium des Partners funktioniert. "Wenn man sich Handkes Texte ansieht, dann ist das die klassische Übernahme kinematografischer Techniken wie der Montage in die Literatur, im Herausarbeiten des Unerwarteten", meint Ballhausen.

Den Durchbruch in der breiten Öffentlichkeit hat Wim Wenders mit dem Film "Paris/Texas" im Jahre 1984 errungen. "Wie man mit den Fragen des Emotionalen umgeht, ist für das Verständnis von Wim Wenders´ Filmen wichtig. Denn seine Filme laden uns nicht nur ein, sondern sie fordern uns auch", erklärt Ballhausen.

Die Handke-Retrospektive des Filmarchivs Austria läuft unter dem Motto "Sehstärke: Peter Handke und das Kino" von 30. November 2007 bis 7. Jänner 2008. "Wim Wenders und seine Filme 1968 bis 1987" läuft von 1. Dezember 2007 bis 7. Jänner 2008. Weitere Informationen: www.filmarchiv.at .