• vom 18.10.2006, 00:00 Uhr

Film


Viennale widmet Olivia de Havilland und Joan Fontaine einen Tribute

Ungleiche Schwestern




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Von Christina Mondolfo

  • Ihre Feindschaft besteht bis heute.
  • Unterschiedliche Entwicklung in ihren Rollengestaltungen.
  • Wien. Obwohl die eine brünett und die andere blond war, konnten sie - zumindest äußerlich - nicht verleugnen, dass sie Schwestern waren. Doch Olivia de Havilland und Joan Fontaine waren einander nicht unbedingt in tiefer schwesterlicher Liebe zugetan - besonders nicht seit 1942, als Joan den Oscar für die Beste weibliche Hauptrolle in Alfred Hitchcocks "Suspicion" gewann, Olivia aber leer ausging. Sie war für die Beste weibliche Hauptrolle in "Hold Back the Dawn" nominiert. Seit damals sprechen die beiden Schwestern kein Wort mehr miteinander: Die eine lebt ihr Leben in Paris, die andere in Kalifornien.

Lebenslange Rivalinnen

Ein Grund für die lebenslange Rivalität der beiden mag wohl unter anderem daher rühren, dass die jüngere, Joan, von Anfang an versuchte, es ihrer Schwester nicht nur gleich zu tun, sondern sie in allen Dingen des Lebens zu übertrumpfen. Olivia wurde 1916 in Tokio geboren, Joan ein Jahr später. Als sich die Ältere gegen den Willen des Vaters entschied, Schauspielerin zu werden, da wusste auch Joan, was sie wollte - nämlich genau dasselbe. Doch während es Joan in vielen Dingen gelang, Olivia zu überholen - sie heiratete früher und bekam als Erste den Oscar - so lief ihre Schauspiel-Karriere allerdings nicht so schnell an wie die Olivias.


Die sanfte Brünette
Die rehäugige Olivia war ursprünglich auf sanfte, naive junge Frauen spezialisiert, die Edelmut beweisen und Vergebung gewähren können. Paradebeispiel dafür war wohl die Rolle der Melanie in "Vom Winde verweht". Dass es sie allerdings große Beherrschung kostete, um nicht gemäß ihren wahren Gefühlen eine entsprechende Reaktion zu zeigen, war ihr in all diesen Rollen meist sehr deutlich anzusehen. Im wahren Leben war Olivia nämlich durchaus eine kämpferische Natur, die auch nicht davor zurückscheute, das Studio Warner Bros. zu verklagen, um aus ihrem ihrer Ansicht nach unrechtmäßig verlängerten Vertrag aussteigen zu können.

Später kann sie die ganze Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens zeigen. Auch der Zwist mit der Schwester findet eine Entsprechung auf der Leinwand: In "The Dark Mirror" werden die beiden als Zwillingsschwestern besetzt, und Olivia bringt all ihre Wut, Verzweiflung und Verwirrung gegenüber Joan in ihre Rolle ein. Diese Darstellung zählt neben der Catherine in "The Heiress" zu den Glanzpunkten ihrer Karriere. Als sie jedoch nach Hochzeit und Kinderpause wieder ins Filmgeschäft einsteigen wollte , blieben ihr große Rollen verwehrt. Erst in den 80er-Jahren durfte sie wieder zeigen, was sie konnte - besonders in Filmen über das englische Königshaus.

Die kühle Blonde
Joan hatte das Glück, in ihren ersten Filmen gleich an der Seite von Größen wie Joan Crawford, Katharine Hepburn oder Fred Astaire spielen zu können. Doch es gelang ihr nicht, die Chancen zu nützen. Erst mit "Rebecca" unter der Regie von Alfred Hitchcock schaffte sie den Durchbruch und die Findung ihres eigenen, charakteristischen Stils.

Trotz aller Getriebenheit und Verzweiflung zeigt sie dabei eine gewisse Kühle, die sie in späteren Rollen zur Perfektion bringt. Die Zusammenarbeit mit Hitchcock verschaffte ihr auch gleich beim nächsten Film eine der begehrtesten Auszeichnungen der Filmbranche, den Oscar. Und damit war die Entzweiung mit Olivia auf immer manifestiert und zementiert.

Joans Aktivitäten neben der Schauspielerei sind vielfältig, sie ist unter anderem Pilotin, Reiterin, Golferin und Hochseefischerin. Bereits 1978 erschien ihre Autobiografie "No Bed of Roses" - auf die ihrer Schwester Olivia warten alle noch vergeblich . . .

www.viennale.at



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-10-18 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-10-17 17:36:00

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