Artur Brauner, 85, wurde 1918 als Abraham Brauner in Lodz geboren. Erste Filmkontakte ergeben sich für den knapp 18-Jährigen bei einer Studienreise in den Nahen Osten und in den Iran, die von den Maturanten filmisch dokumentiert wird. Nach dem Überfall Hitlers auf Polen flieht Artur Brauner in die Sowjetunion, seiner Familie gelingt es, den Krieg in Polen zu überleben. Während die Eltern nach Israel übersiedeln, geht Artur mit seinem Bruder nach Berlin. Da sich die Pläne, in die USA auszuwandern, zerschlagen, lässt sich Brauner in Berlin nieder. 1946 gründet Artur Brauner die CCC-Film (Central Cinema Company Filmgesellschaft). Sowohl seine Beteiligung an dem Film "Sag die Wahrheit", der 1946 als erster Film im deutschen Westsektor entsteht, als auch seine Eigenproduktion "Herzkonig" (1947) werden kommerzielle Erfolge. Bereits mit seinem zweiten eigenen Film wendet sich Brauner der jüngsten deutschen Vergangenheit zu. Mit "Morituri" (1948) entsteht ein Film über das Schicksal der aus einem KZ Geflüchteten, ein Werk mit durchaus autobiografischen Zügen. Der mit Unterstützung der sowjetischen Militärbehörden gedrehte Film wird ein Misserfolg, das deutsche Publikum will nicht mit der schmerzhaften jüngsten Vergangenheit konfrontiert werden. 1949/50 adaptiert Brauner eine ehemalige Giftgasfabrik in Berlin-Spandau als Filmatelier. Er steigert in den folgenden Jahren die Filmproduktion kontinuierlich, oft entstehen mehr als zehn Filme jährlich, wobei er vermehrt auf risikolose Unterhaltungsfilme setzt.

Ab Mitte der 50er Jahre vergrößert Brauner sein Imperium und steigt zum bedeutendsten deutschen Produzenten auf. Für seine Filme engagiert er die Größen des deutschen Nachkriegsfilms: Maria Schell, Curd Jürgens, Hans Albers, O. W. Fischer, Lilli Palmer, Heinz Rühmann und Romy Schneider. Als Regisseur verpflichtet er bewährte Kräfte wie Helmut Käutner, Carl Boese, Wolfgang Liebeneiner oder Paul Martin. Ab Ende der 50er Jahre produziert Brauner Großfilmen im exotischen und historischen Milieu, dreht Serien ("Dr. Mabuse", "Edgar Wallace") und produziert Karl-May-Filme. Bei den Produktionen kommen u. a. auch zahlreiche prominente Emigranten wie Fritz Lang ("Der Tiger von Eschnapur"und "Das indische Grabmal", beide 1959; "Die tausend Augen des Dr. Mabuse", 1960), William Dieterle ("Herrin der Welt", 1960) und Robert Siodmak ("Der Schut", 1964; "Kampf um Rom", 1968) zum Zug.

Brauner gewinnt in diesen Jahren weitere deutsche und österreichische Emigranten als Regisseure für die CCC-Film, u. a. Gottfried Reinhardt. Die Krise des deutschsprachigen Films in den 60er Jahren geht auch an Brauners CCC-Film nicht spurlos vorüber. Er produziert Fernsehfilme und TV-Shows sowie auch Sexfilme, darunter Genre-Klassiker wie "Fanny Hill" (1964, Regie: Russ Meyer). Nachdem Brauner bereits Mitte der 60er Jahre einen Großteil seiner 230 Angestellten und Arbeiter entlassen hat, muss er 1970 das Studio schließen. Die Kinofilmproduktion geht drastisch zurück, von 1972 bis 1980 werden nur zehn Filme realisiert. In den letzten 20 Jahren seines Schaffens konzentrierte sich Brauner vornehmlich auf die Produktion von Filmen, die sich mit dem NS-Regime und dem Holocaust auseinandersetzen, u. a. "Charlotte" (1980) von Franz Weisz mit der osterreichischen Schauspielerin Birgit Doll in der Titelrolle der Charlotte Salomon (zu sehen am Sonntag, 25. Janner, 19 Uhr) und "Die weisse Rose" (1982) von Michael Verhoeven (Sonntag, 25. Janner, 21 Uhr) sowie Vittorio de Sicas "Der Garten der Finzi Contini" (1970; Freitag, 23. Janner, 19 Uhr). Ebenfalls Freitag (21 Uhr) lauft "Hitlerjunge Salomon" (1989/90) von Agnieszka Holland. Brauners letztes Werk, "Babij Jar" (2003) von Jeff Kanew, uber die Kriegsgrauel 1941 in der Schlucht von Babij Jar, wo 33.000 vertriebene Juden aus Kiew ermordert wurden, ist in osterreichischer Erstauffuhrung am Samstag, 24. Janner (21 Uhr), zu sehen.

Die Cinematographie des Holocaust

Auf Einladung der Arbeitsgruppe Cinematographie des Holocaust veranstaltet das Filmarchiv Austria erstmals den gleichnamigen Kongress in Österreich. Hauptaufgabe dieses Projekts ist es, erstmals eine fundierte Dokumentation der filmischen Zeugnisse über den Holocaust zu erstellen.

Vortrage im Metro-Kino (1, Johannesgasse 4), 22. bis 24. Janner; Samstag ab 13.30 Uhr, Freitag, Samstag 9.30 Uhr.

Information unter:

http://www.cine-holocaust.de