• vom 10.11.2010, 18:07 Uhr

Film

Update: 10.11.2010, 18:08 Uhr

Projekt "Diverse Geschichten" fördert junge Filmtalente

Österreichische Zuwanderer auf den Spuren Billy Wilders




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Von Stefan Beig

  • Wien. "Bringen Sie mich bitte in das AKH in der Alserstraße. Ich vertraue nur österreichischen Ärzten", erklärt der verwundete Wiener Psychiater in Billy Wilders legendärer Komödie "Extrablatt". Hatte sich der siebenfache Oscarpreisträger bei dieser Szene an seine österreichische Heimat zurückerinnert?

Einer der Großen Hollywoods: Der Oscarpreisträger Billy Wilder besuchte Wien zuletzt 1994. Foto: apa

Einer der Großen Hollywoods: Der Oscarpreisträger Billy Wilder besuchte Wien zuletzt 1994. Foto: apa Einer der Großen Hollywoods: Der Oscarpreisträger Billy Wilder besuchte Wien zuletzt 1994. Foto: apa

Allzu oft hat er sie nicht mehr aufgesucht, seit er vor den Nazis geflohen ist. In den USA prägte er wie so viele Zuwanderer nachhaltig das Schaffen in den Filmstudios - erst als Drehbuchautor, später Filmregisseur.


Aus der Beobachtung, dass Zuwanderer auch in anderen Großstädten kreativ und gerade in der Filmbranche aktiv sind, gründete vor einem Jahr die Wiener Filmproduktions- und Drehbuchentwicklungsfirma Witcraft das Projekt "Diverse Geschichten". Wiener mit Migrationshintergrund reichen auf ein bis drei Seiten ihre Drehbuchideen ein. Einige werden ausgewählt, gemeinsam mit Beratern fertig geschrieben und am Ende vielleicht auch verfilmt.

"Wir machen keine Vorgaben", berichtet Robert Buchschwenter von Witcraft. "Die Ideen können von persönlichen Schicksalsschlägen inspiriert sein, aber das muss nicht der Fall sein." Buchschwenter ist überzeugt, dass gerade Zuwanderer die Filmbranche bereichern. "Leute aus anderen Ländern haben oft einen anderen Erzählstil, etwa einen besonderen Humor. Der persisch-stämmige Filmregisseur Arash T. Riahi hat erzählt, dass er mehr Emotion in seine Filme einbringt; in seinem Herkunftsland dürften auch Männer weinen."

Im ersten Jahr wurden neun Ideen ausgewählt, die nun individuell betreut werden. "Einige der Drehbücher sind bereits fertig, aber noch keines ist filmreif", erzählt Buchschwenter. "Das dauert in der Filmbranche in der Regel bis zu drei Jahre." Dass ein oder mehr Drehbücher verfilmt werden, sei realistisch.

"Die Herkunft der Drehbuchautoren spiegelt die Situation Wiens wieder: Viele haben türkischen Hintergrund oder kommen vom Balkan." Eine Filmidee stammt von einer gebürtigen Argentinierin: Da verliebt sich ein Österreicher beim legendären Fußballmatch in Cordoba 1978 in eine argentinische Frau. Jahre später meldet sich bei ihm ein Mann, der behauptet, ihr Sohn zu sein. Seine Mutter wurde aus politischen Gründen ermordet. Durch diese Nachricht veranlasst, ruft sich der Mann seine Erlebnisse aus Argentinien wieder in Erinnerung, auch solche, die er ausgeblendet hatte.

In einem anderen Skript macht sich ein Bub in Belgrad heimlich auf den Weg zum Championsleague-Spiel. Doch just an diesem Tag bricht der Bürgerkrieg aus. Aus der Sicht des Burschen, der nicht versteht, was er sieht, bekommt der Krieg eine neue Dimension.

Krach im Familienhaus

Eine weiteres, sozialkritisches Drehbuch ist in Wiens türkischer Community angesiedelt. Ein sportlich wie musikalisch hochtalentierter Sohn türkischer Eltern vergeudet seine Talente: Er schlittert in ein schlechtes Milieu und begehrt gegen seine konservativen Eltern auf, die seine Talente nicht fördern. Mit viel Kraft arbeitet er sich wieder hinaus.

"Diverse Geschichten" geht in die zweite Runde. Bis 30. November können sich interessierte Autoren noch bewerben.

"Website":www.diverse-geschichten.at



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-11-10 18:07:17
Letzte Änderung am 2010-11-10 18:08:00

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