• vom 05.11.2010, 20:03 Uhr

Film

Update: 06.11.2010, 16:34 Uhr

Tonjäger suchen nach Tierstimmen, Klängen und Geräuschen - Verwendung in Film und Hörspiel

Die Geräusche der Geschichten




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Von Fritz Trümpi

  • Der Wettbewerb der Klangsucher.
  • Ungesicherte Zukunft der Tonjägerei.
  • Internet begünstigt Austausch der Klänge.
  • Wien. Sie stehen bisweilen stundenlang an einem Flussufer, tummeln sich in Wäldern, sitzen unter Eisenbahnbrücken oder lungern an Bahnhöfen herum: Die Tonjäger sind auf ihre Art Besessene und beständig auf der Pirsch nach einer fetten Beute.

Bei der Tonjägerei kommt kein Tier zu Schaden: Eingefangen werden lediglich Klänge und Geräusche. Foto: corbis sygma/Dung Vo Trung

Bei der Tonjägerei kommt kein Tier zu Schaden: Eingefangen werden lediglich Klänge und Geräusche. Foto: corbis sygma/Dung Vo Trung Bei der Tonjägerei kommt kein Tier zu Schaden: Eingefangen werden lediglich Klänge und Geräusche. Foto: corbis sygma/Dung Vo Trung

Doch anders als ihre grüngewandeten Artgenossen sind sie nicht mit Kugelbüchse und Schrotflinte bewaffnet, sondern schleppen Aufnahmegeräte und Mikrofone mit sich herum.


Zu Beginn der Tonjägerei waren sie mit tragbaren Tonbandgeräten ausgerüstet, später nur mehr mit Kassettenrekordern, sodann nahmen sie auf Minidiscs auf, und heutzutage gehören sogenannte Flash-Recorder oder sonstige digitale Aufnahmegeräte zur Grundausstattung eines jeden Tonjägers.

Die Tätigkeit ist aber seit Anbeginn die gleiche: Tonjäger jagen nach Geräuschen. Ob es nun das Zirpen von Grillen, das Rauschen von Bächen, der Verkehrslärm einer Straßenkreuzung oder das Frühschoppenkonzert der Musikkapelle ist, die aufgenommenen Klänge werden stets fein säuberlich archiviert und ihrer weiteren Bearbeitung zugeführt: Sie werden seziert, bisweilen verfremdet, in Musik umgewandelt oder für Reportagen und Hörspiele zurechtgestutzt.

Goldgräberstimmung in der Nachkriegszeit

Die Tonjägerei ist indes ein Phänomen der Nachkriegszeit: Erst mit dem aufstrebenden Markt für Tonbandgeräte im Heimbereich zu Beginn der 1950er Jahre wurden private Aufnahmen zunehmend populär. Auch der erste Wettbewerb um die besten Amateur-Aufnahmen datiert aus dieser Zeit: 1952 lancierten die Schweiz und Frankreich gemeinsam den ersten Tonjäger-Wettbewerb, während die internationale Tonjäger-Föderation 1956 gegründet wurde. Kurzum: Es herrschte damals so etwas wie Goldgräberstimmung im Bereich der Tonbandaufnahmen.

Einer, der gern auf diese goldenen Zeiten der Tonjägerei zurückblickt, ist Helmut Weber, seit vielen Jahren aktiver Tonjäger und heutiger Generalsekretär der Internationalen Tonjäger Föderation. In dieser Funktion ist der Schweizer auch Organisator des jährlich stattfindenden "Internationalen Wettbewerbs der besten Tonaufnahme" (IWT), der kürzlich im slowakischen Smolenice über die Bühne ging.

Diese internationalen Wettbewerbe sind gewissermaßen der Kern der verbandsmäßig organisierten Tonjägerei. Allerdings beklagt Weber einen seit Längerem anhaltenden Anmelderückgang bei diesen Veranstaltungen. Der Grund dafür liegt wohl in erster Linie im Niedergang des Vereinswesens: Das ehedem dichtgewobene internationale Verbandsnetz wird zusehends weitmaschiger, da sich regionale und sogar nationale Verbandsorganisationen (so auch die österreichischen) sukzessive auflösen, weil ihnen der Nachwuchs fehlt.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-11-05 20:03:00
Letzte Änderung am 2010-11-06 16:34:00

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