Im Büro von John Lasseter bestimmen knallbunte Figuren das Blickfeld. Für Tristesse ist beim Trickfilm kein Platz. - © ©Disney/Pixar. All Rights Reserved. / Deborah Coleman....Ph: Deborah C
Im Büro von John Lasseter bestimmen knallbunte Figuren das Blickfeld. Für Tristesse ist beim Trickfilm kein Platz. - © ©Disney/Pixar. All Rights Reserved. / Deborah Coleman....Ph: Deborah C

John Lasseter trägt gerne auffällige Hemden. Die sind ungefähr so bunt wie seine Trickfilme. Er liebt es knallig, weil er überzeugt ist: Das Leben ist zu bunt, um traurig zu sein. Deshalb produziert Lasseter ohne Unterlass Animationsfilme, die ein vor allem junges Publikum amüsieren und ihm farbenfrohe Kindheitserinnerungen bescheren sollen, für später einmal, wenn das Leben nicht mehr so lustig und unbeschwert ist.

John Lasseter ist so etwas wie der Guru unter den Trickfilmern. Mit seinem Studio Pixar hat er 1995 mit "Toy Story" den ersten computeranimierten Trickfilm überhaupt in die Kinos gebracht - der Film fand bisher zwei Fortsetzungen. Schon früh hat er mit animierten Kurzfilmen viele Preise gewonnen, darunter auch einen Oscar für "Tin Toy" (1988).

Wann immer Lasseter ein neues Projekt beginnt, stellt er sicher, die absolute Gestaltungshoheit über das Projekt zu haben: Er produziert, führt Regie und wuselt den ganzen Tag zwischen den verschiedenen Abteilungen hin und her. Seit 2006 steuert er als Chef und Kreativdirektor auch die langfristige Planung bei "Walt Disney Animation". Lasseter bestimmt, welche Animationsfilme die Kinder zu Weihnachten sehen, und da solche Projekte meist fünf Jahre Produktionszeit haben - mit bis zu 500 Mitarbeitern pro Film -, weiß Lasseter bereits heute, was bis 2016 am Spielplan steht. Mit "Cars 2" hat er nun erneut einen Trickfilm am Start (ab Donnerstag im Kino), dessen Helden sprechende Autos sind. Dem Trend folgend natürlich in 3D.

Mit "Pixar" revolutionierte Lasseter das Trickfilmgenre

„Cars 2” (ab Donnerstag im Kino) heißt der neueste Film von John Lasseter - dem Trend folgend natürlich in 3D. - © ©Disney/Pixar. All Rights Reserved.
„Cars 2” (ab Donnerstag im Kino) heißt der neueste Film von John Lasseter - dem Trend folgend natürlich in 3D. - © ©Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Sein Studio "Pixar" produzierte bisher zwölf abendfüllende Animationsfilme, die allesamt unter dem Label Disney veröffentlicht wurden. Zu den größten Erfolgen zählen "Ratatouille", "WALL-E" oder "Oben". Lasseter verdankt alles, was er über Trickfilme weiß, seinem einstigen Arbeitgeber Disney. Zwischenzeitlich wurde er dort allerdings entlassen, doch 2006 holte man ihn zurück - in den Chefsessel. Seither hat er die Strategie dieses Weltkonzerns gehörig umgestaltet.

"Ich kam in einer Phase zu Disney zurück, in der das Studio die Richtung verloren hatte", sagt Lasseter. "Dort wurden keine Filme fürs Publikum mehr gemacht, sondern Filme, um die Chefs zufrieden zu stellen. Das ganze Prozedere erinnerte an Gesetze, die den Kongress und das Repräsentantenhaus durchlaufen müssen, um durchgesetzt zu werden. Das Letzte, woran man dort dachte, waren das Publikum und die eigenen Filme."

Also änderte Lasseter die Arbeitseinstellung der Mitarbeiter, indem er sie auf den alten Geist aus der Glanzzeit Disneys einschwor. "Ich habe den Mitarbeitern gesagt, was ich bei Disney gern machen würde: einen Film, auf den man ein ganzes Leben lang stolz sein kann." Bloß einen? "Diesen einen Film muss man erst einmal machen! Fast jedes Jahr kommt ein neuer Film heraus, doch an welchen davon erinnert man sich noch wirklich? Eine Familie hatte mir einmal von ihrer Großmutter berichtet. Die hatte beim legendären Schneewittchen mitgezeichnet. Diese Familie war unglaublich stolz auf sie. Da will ich mit Disney wieder hin. Dass die Leute später einmal sagen: Ich bin total stolz darauf, dass mein Vater oder meine Mutter an diesen Filmen mitgearbeitet hat."

"Wir machen Filme für die Kinder in uns selbst"


Das Credo des 1957 geborenen Lasseter speist sich aus diesem Stolz. Denn stolz sein kann nur, wer etwas Außergewöhnliches vollbracht hat. Und der Terminus "außergewöhnlich" bedeutet in Hollywood nun mal: Gute Unterhaltung ist gleich traumhafte Einspielergebnisse. Wenngleich es Lasseter schwer fällt, dies zuzugeben: "Ich will Menschen unterhalten. Bei Pixar machen wir Filme eigentlich nicht fürs Publikum. Wir machen sie für uns Filmfans und für die Kinder in uns selbst."

Bei Disney bedurfte es massiver Umbaumaßnahmen, um den von Lasseter geforderten kreativen Spirit wieder spürbar werden zu lassen: "Disney sollte wieder ein von Filmemachern geführtes Studio werden. Es war ein von Verantwortlichen geführtes Studio. Es gab eine starre Hierarchie. Wenn jemand eine Idee hatte, musste er mit dieser Idee erst die vorgeschriebenen Wege durchlaufen, eine Abteilung nach der anderen. Das konnte mitunter sehr lange dauern, doch damit ist heute Schluss", sagt Lasseter.

Dass diese Einstellung Früchte tragen kann, weiß Lasseter aus eigener Erfahrung, denn mit Pixar hat er im Kleinen vorexerziert, was er nun im Großen bei Disney wiederholt: "Uns war wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Menschen gern arbeiten. Unsere Arbeit ist der eines Artisten auf einem Seil nicht unähnlich. Der Artist weiß, dass er fallen könnte. Wichtig ist, was im Sicherheitsnetz passiert. Man kann - und das habe ich früher bei Disney erlebt - Metallspitzen unter das Seil tun und die Spitzen noch vergiften. Wir bei Pixar hatten einen anderen Ansatz. Wenn der Mensch schon fällt, dann fällt er bei uns auf weiche Pölster. Dadurch schmerzt der Sturz nicht mehr so, und man traut sich schneller wieder aufs Seil."